Achtsamkeitstraining zum Stressabbau

Mit mehr Aufmerksamkeit gesünder durchs Leben

Wir tun es viel zu oft und noch öfter wohl unbewusst: Multitasking scheint am Arbeitsplatz und im Privatleben zum guten Ton zu gehören. Warum es jedoch lohnt, sich einer Aktivität gedanklich und körperlich vollkommen zu widmen und wie man mit Achtsamkeitstraining Stress abbauen und Schmerzen lindern kann:
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Wenn Multitasking uns die Aufmerksamkeit stiehlt

Schnell noch den Geschirrspüler ausräumen, dabei das längst überfällige Telefonat führen und gedanklich schon das Abendessen planen: Was sich nach alltäglichen Handlungen anhört, ist beim eingehenden Betrachten wohl leider sicherlich alltäglich, jedoch alles andere als wünschenswert. Multitasking regiert unser Leben und damit leider auch uns, denn unsere vollkommene Aufmerksamkeit schenken wir dabei weder dem Einräumen des Geschirrs noch der sorgsamen Planung des Abendessens und – am aller bedenklichsten – wohl unserem Gesprächspartner am Telefon. Schluss damit! Wer sich dafür entscheidet, innezuhalten, bewusster zu spüren und sich auf den jetzigen Moment einzulassen, wird mit Genuss, Entspannung, Dankbarkeit und einer steigenden Lebensqualität belohnt werden. Das „Wundermittel“ des Ganzen, das eigentlich gar keines ist, nennt sich Achtsamkeitstraining* – und ist erlernbar.

Achtsamkeitstraining als Therapiemöglichkeit

„Achtsamkeitstherapien sind schon lange keine Esoterik mehr“, ist sich der Psychologe Stefan Schmidt von der Universität Freiburg im Interview mit der Apotheken Umschau sicher. Studien ergaben, dass das Achtsamkeitstraining, bei dem es um eine bessere, achtsamere Wahrnehmung geht, durchaus gesundheitsfördernde Wirkung besitzt. Die Einsatzgebiete sind dabei durchaus vielfältig. Ob zum Stressabbau, zur Schmerzlinderung, der Behandlung von Angstzuständen und Depressionen oder der Therapie von Borderline-Patienten: Das bewusste und wertfreie Spüren, Sehen, Riechen und Schmecken ist trainierbar. Doch die Apotheken Umschau plädiert dafür, eine achtsame Grundhaltung schon in einem normal stressigen Leben zu aktivieren. Und diese ist durchaus erlernbar. In speziellen Kursen, welche üblicherweise aus acht je zweieinhalb stündigen Sitzungen bestehen, können Interessierte eine achtsame Herangehensweise lernen und bekommen Übungen an die Hand, die sich zu Hause oder unterwegs sehr gut in den Alltag integrieren lassen. Besonders erfreulich: Einige Krankenkassen bezuschussen solch einen Kurs als Präventivmaßnahme.

A wie Achtsamkeit und Akzeptanz

Die Mindfulness Based Stress Reduction, wie die Stressreduzierung durch Achtsamkeit im Fachjargon heißt, lässt sich auf den US-Amerikaner Jon Kabat-Zinn von der University of Massachusetts zurückführen. Dabei verknüpft das MBSR-Achtsamkeitstraining verschiedene Komponenten. So fließen Yoga-Elemente aus der buddhistischen Psychologie, Mediation und Körperwahrnehmung zusammen.

Ein sehr wichtiger Aspekt, der diese Form der Therapie entscheidend beeinflusst, ist Akzeptanz. So wird beispielsweise Schmerzpatienten nahegelegt sich mit diesem Faktor auseinanderzusetzen, ob und wenn ja, inwiefern sie sich mit den chronischen Schmerzen arrangieren können. „Es bedeutet zum Beispiel beim Schmerz, dass man eben nicht versucht ihn zu betäuben oder zu verdrängen, sondern das man ihn annimmt und sich bemüht, ihn möglichst gleichmütig von außen zu betrachten – auch wenn das nicht gerade einfach ist“, so die Empfehlung von Kabat-Zinns. Dieses Vorgehen lässt sich auch auf andere Zustände, beispielsweise Angst, negative Emotionen, Stress, Trauer, Scham und Wut adaptieren.

Achtsamkeitstraining zum Ausprobieren

Eine beliebte Standardübung ist der sogenannte Bodyscan. Dabei richtet der Übende seine Aufmerksamkeit bewusst auf seinen Fuß. Das gezielte Konzentrieren erfordert gewiss etwas Übung. Dass die Gedanken abschweifen, ist am Anfang vollkommen normal. „Jeder Moment, in dem wir bemerken, dass unsere Gedanken abwandern, ist ein Moment der Achtsamkeit“, so die Trainerin Kirsten Wolff. Sobald dies einem jedoch bewusst wird, die Aufmerksamkeit unbedingt wieder zurück auf den Fuß richten. Nach und nach durchwandern auf diese Weise die Übenden ihren gesamten Körper und scannen ihn vom Fuß über Becken, Hände bis hin zum Kopf.

Vielleicht wäre an dieser Stelle der richtige Moment selbst ein wenig aufmerksamer und achtsamer zu sein. Und das kann bereits an kleinen Dingen ausprobiert werden, zum Beispiel beim nächsten Telefonat oder einfach beim nächsten Workout.

11.08.2015 · 12:21 · Autor: Annelie Neumann · Kategorie: Lifestyle/ Lebensart
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