Innovationscamp POC21 für Open-Source-Projekte

Handeln statt Reden für den Klimaschutz

Am 15. August startete das Innovationscamp POC21 in der Nähe von Paris. Fünf Wochen lang tüfteln Ingenieure, Designer und soziale Innovatoren an Open-Source-Projekten. Ihr Ziel: global zugängliche konkrete Baupläne und -anleitungen für eine nachhaltige und umweltfreundliche Ressourcennutzung.
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Von denen, die auszogen, um mit ihren Ideen die Welt zu verbessern

Nur reden ist ihnen zu wenig und ihre Vision ist eine postindustrielle Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der jeder einzelne in der Lage ist, viele Produkte basierend auf Open-Source-Bauplänen aus lokal verfügbaren Materialien weltweit nachzubauen. Eine Idee, bei der man sich wohl sicherlich mit Recht fragt, warum sie noch lange nicht umgesetzt wurde. Geht es nach den Teilnehmern und Innovatoren des POC21, wird sich dies nun ändern. 200 Projekte standen zur Auswahl, 12 von ihnen werden nun in den kommenden fünf Wochen nahe Paris, auf dem Gelände des Schlosses Château de Millemont, in einem Zeltcamp realisiert werden. Dort wird den „Erfindern“ und Tüftlern nicht nur das notwendige Werkzeug zur Verfügung gestellt, sondern sie bekommen auch Hilfe von Ingenieuren. Die Organisatoren des POC21, kurz für „Proof of Concept“, waren und sind dabei auf der Suche nach Projekten, die konkrete Lösungen für die nachhaltige Nutzung von Ressourcen fokussieren. Die Idee dahinter: Jeder Mensch soll weltweit in der Lage sein, sich selbst zu versorgen.

Das POC21 als Gegenentwurf zum COP21

Der Name des Innovationscamps sowie die Örtlichkeit sind dabei nicht zufällig gewählt worden. Vielmehr sehen die Initiatoren des POC21 ihre Zusammenkunft als Gegenstück zu der Anfang Dezember in Paris stattfindenden COP21, der UN-Klimaschutzkonferenz. Hier würde ihrer Meinung nach zwar viel geredet und beschlossen, jedoch wenig gehandelt. Deshalb solle beim POC21 das Handeln und der sichtbare praktische Nutzen für jeden im Vordergrund stehen. Das Camp fungiert so als Prototyp einer lokalen Minifabrik und wird durch Sponsoren und Spendengelder finanziert.

Vom Fahrradtraktor bis zum Miniaturbauernhof: 12 Projekte für mehr Nachhaltigkeit

Doch woran wird nun hinter den Schlossmauern getüftelt? Aus den 200 Vorschlägen werden, wie bereits erwähnt, 12 realisiert. Unter ihnen beispielsweise ein Miniaturbauernhof für die eigene Küche, ein Fahrradtraktor für die Arbeit auf kleinen Anbauflächen, eine Dusche mit integriertem Wasserkreislauf, ein günstiges Wasserfiltersystem, ein effizienter Wasserkocher und ein Solarthermiekraftwerk.  

„Sunzilla“: An entlegensten Orten umweltfreundlich Strom produzieren

Unter dem Arbeitstitel „Sunzilla“ wird so am verfeinerten Prototypen eines Solargenerators gewerkelt. Mit ihm soll es zukünftig möglich sein, an den noch so entlegensten Orten Strom zu produzieren, ohne sich der lauten und schmutzigen Variante des Dieselmotors bedienen zu müssen. Hinter diesem Projekt verbergen sich Designer und kreative Köpfe von „Open Sate“ Berlin, einer gemeinnützigen Organisation. Während bei herkömmlichen Entwicklungen zumeist der betriebswirtschaftliche Faktor die entscheidende Rolle spielt, ist es den Entwicklern in diesem Falle wichtig, sowohl die volkswirtschaftlichen Interessen, als auch die ökologischen und sozio-ökonomischen Variablen zu verbinden.

Innovationscamp POC21: Weltweit zugängliche Open-Source-Baupläne für nachhaltige Ressourcennutzung

Ihr Ziel: Ein ganzheitlicher Ansatz, der eine autarke und dezentrale Stromversorgung bewerkstelligt. Möglich soll dies der mobile Stromgenerator „SunStation“ machen, der die erneuerbare Energie vor allem überall dort hinbringt, wo derzeit auf noch sehr bedenkliche Art und erschreckend wenig umweltfreundlich Strom produziert wird.

Ein Zeltcamp und großer finanzieller Aufwand im Sinne der Nachhaltigkeit?

Bei all diesen sehr erfreulichen Aussichten mussten sich die Initiatoren des POC21 jedoch auch mit der kritischen Frage befassen, ob solch ein Camp, bestehend aus einer zeltähnlichen Kuppelkonstruktion und all der betriebene Aufwand, nicht im Gegensatz dazu stehe, die Entwicklung nachhaltiger und umweltfreundlicher Projekte voranzutreiben. Da jedoch nirgends solch ein Arbeitsplatz mit entsprechender Infrastruktur vorhanden sei und die Tüftler sich ausschließlich auf ihre Arbeit konzentrieren sollen, ohne dabei große Wege zwischen Übernachtungsmöglichkeiten und dezentral liegenden Produktionsstätten zurückzulegen, scheint solch ein Camp eine geeignete Lösung zu sein.

Gehen die Rechnungen der Initiatoren auf, dann wird das POC21 ein entscheidender Schritt auf dem Weg hin zu einem konkreten Handeln für den Klimaschutz darstellen. Denn Open Source, eine gemeinschaftliche Produktion und die Do-it-yourself-Bewegung sind definitiv ein sehr wünschenswerter Weg für eine nachhaltige Ressourcennutzung. Und so werden die konkreten Baupläne und -anleitungen für eine nachhaltige und umweltfreundliche Ressourcennutzung sicherlich schon sehnlichst erwartet.

17.08.2015 · 12:20 · Autor: Annelie Neumann · Kategorie: Umweltschutz
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