Hormonfreie Verhütung ohne Pille

Verhütungsmethoden im Einklang mit dem Körper

Die Antibabypille – Lange galt sie als Nummer eins der beliebtesten Verhütungsmethoden. Doch das regelmäßige Schlucken der Pille hat für viele Frauen aufgrund der zum Teil nicht unerheblichen Nebenwirkungen inzwischen ein Ende.
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Welche hormonfreie Verhütungsmethoden unseren Körper schonen und ganz im Einklang mit dem weiblichen Zyklus erfolgen zeigt unser Überblick:

Welche Verhütungsmethode ist die passende für mich?

Lungenembolie, Schlaganfälle, Thrombosen und Co.: Wer sich etwas eingehender mit den Nebenwirkungen und Risiken der Antibabypille befasst, kommt schnell ins Grübeln. Muss es unbedingt die Pille zur Verhütung sein? Nein, muss es nicht. Wer sich gegen Pille und Hormone entscheidet, dem bieten sich diverse andere Möglichkeiten der Empfängnisverhütung. Ob Diaphragma, Kondom oder Natürliche Familienplanung (NFP): Entsprechend der persönlichen Einstellungen, Gewohnheiten oder Wünsche kann Frau die für sich passende Methode wählen. Sich mit den einzelnen Methoden kritisch auseinanderzusetzen, empfiehlt sich immer. Möchte ich mir nur dann um Verhütung Gedanken machen, wenn ich Sex habe? Hier könnten die sogenannten Barrieremethoden das Richtige sein. Oder möchte ich meinen Körper besser kennenlernen und meinen Zyklus beobachten? Dann können mithilfe der Natürlichen Familienplanung die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermittelt werden.

Empfehlenswert ist das individuelle Gespräch mit dem Gynäkologen. Doch auch hier gilt es, kritisch zu sein: Einige Frauenärzte favorisieren die Pille und lehnen Alternativen ab.

Wie sicher die jeweilige Verhütungsmethode ist, darüber informiert der sogenannte Pearl-Index (PI). Er gibt die Anzahl der ungeplanten Schwangerschaften je 100 Frauen an, die die jeweilige Verhütungsmethode ein Jahr lang angewendet haben. Da die Studienbedingungen bei der Ermittlung des PI variieren und mitunter Anwendungsfehler einberechnet werden, ist er als Orientierung zu verstehen.

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Barrieremethoden: Kondome, Diaphragma, Kupferkette

Sie sind einfach zu benutzen, schnell verfügbar, relativ sicher und schützen zudem auch noch vor sexuell übertragbaren Krankheiten: Kondome (PI 2 - 12). Doch herkömmliche Kondome erzeugen bei regelmäßigem Gebrauch eine nicht unerhebliche Menge Müll und sind für Menschen mit einer Naturlatexallergie ungeeignet. Eine nachhaltigere Alternative sind vegane Kondome aus Naturkautschuk (erhältlich in Biomärkten). Im Unterschied zu herkömmlichen Kondomen wird bei den veganen Varianten auf das Hilfsmittel Milchprotein Kasein bei der Verarbeitung des Kautschuks verzichtet. Alternativ nutzt beispielsweise das Label Glyde (10 Stück für circa 8 €) Distelextrakt. Vegan sind auch die Kondome von Fair Squard (3 Stück für circa 3,95 €) und Einhorn (7 Stück für circa 6 bis 7 €).

„Das Diaphragma wird unterschätzt. Bei korrekter Anwendung und geübtem Umgang ist es sicherer als oft behauptet wird. Leider nehmen wenige Gynäkologen die Anpassung vor. Doch auch Profamilia-Stellen und Frauengesundheitszentren bieten sie an“, weiß Dorothee Struck, Gynäkologin und Autorin des Buches Verhüten ohne Hormone: Alternativen zu Pille & Co.* Erhältlich ist das Diaphragma online oder in der Apotheke (circa 30 bis 40 €). Die passende Größe ermittelt der Gynäkologe. Die kleinen runden Kappen aus Silikon saugen sich an den Muttermund an und versperren den Samenzellen den Weg zu den Eizellen. Das Diaphragma wird vor dem Sex eingesetzt und sollte danach bis zu acht Stunden in der Vagina bleiben. Empfohlen wird diese Art der Verhütung in Kombination mit einem Spermizid (PI 1,2 – 8). Eine weitere Möglichkeit, die ebenfalls in Verbindung mit einem Spermizid genutzt werden sollte, ist das Kondom für die Frau (PI 5 – 10; 5 Stück circa 12 €).

Auch Kupferketten, -bälle oder -spiralen (PI 0,3 - 3) eignen sich zur hormonfreien Verhütung. Nach dem Einsetzen durch den Gynäkologen können diese bis zu fünf Jahre im Körper verbleiben. Das Wirkungsprinzip: Die Beweglichkeit der Spermien wird durch das Kupfer gehemmt und der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigt. Beratung, Untersuchung und Einlegen kosten zwischen 120 und 300 Euro. Diese Empfängnisverhütung ist für Frauen geeignet, die ihre Familienplanung abgeschlossen haben und aufgrund des anfänglich hohen Infektionsrisikos wenig wechselnde Sexualpartner haben. Mitunter ist das Einsetzen der Kupferketten schmerzhaft.

Natürliche Familienplanung: Messen, beobachten und seinen Körper genau kennenlernen

Sie ist kostenlos, hat keinerlei gesundheitliche Risiken und ist bei der richtigen Anwendung sehr sicher: die Natürliche Familienplanung (PI circa 0,4). Wer sich für diese Form der hormonfreien Verhütung entscheidet, misst und beobachtet zwei Dinge seines Körpers täglich und sehr genau. Dies sind bei der hier vorgestellten symptothermalen Methode die Basaltemperatur und die Qualität des Zervixschleims. Anhand dieser lassen sich fruchtbare und unfruchtbare Tage ermitteln. Ideal ist die Natürliche Familienplanung daher auch bei Kinderwunsch. Die ermittelten Daten lassen sich inzwischen auch mit Temperatur- und Hormoncomputern sowie Apps ermitteln und analysieren. Die Zuverlässigkeit dieser ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht. Die Natürliche Familienplanung bedarf hoher Selbstdisziplin und einiger Übungszyklen. Unregelmäßige Schlafenszeiten, Krankheiten und Alkoholkonsum können die Werte entscheidend beeinflussen.

Wer sich umfangreich über die verschiedenen Möglichkeiten der hormonfreien Verhütung informieren möchte, findet weitere Informationen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

08.12.2017 · 09:12 · Autor: Annelie Neumann · Kategorie: Gesundheit/ Medizin
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