Der Weltklimarat (IPCC)

Woher stammt das Wissen rund um den Klimawandel?

Wenn ihr euch fragt, woher man eigentlich so genau Bescheid weiß, wenn‘s um die Entwicklung des Weltklimas und auch die gefährlichen Folgen für uns alle geht, macht es Sinn, sich kurz mit dem Weltklimarat (IPCC) zu beschäftigen. Dort werden nämlich alle, und zwar wirklich alle relevanten Fakten und Erkenntnisse zum Thema Klima gesammelt, ausgewertet und publiziert.

Außerdem werden dort die wichtigsten Forschungsergebnisse zu der Frage zusammengeführt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf das Wetter, die Katastrophengefahr und eigentlich unser gesamtes Leben haben wird.

Was ist der Weltklimarat?

  • Gegründet wurde das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) bereits im Jahr 1988, und zwar vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen.
  • Insgesamt 195 Regierungen sind Mitglieder und zahlreiche Organisationen sind als Beobachter involviert. Der Rat sollte von Anfang an alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammentragen und den politischen Entscheidungsträgern als Grundlage für ihre Arbeit mit an die Hand geben.
  • Tausende von Wissenschaftler:innen aus aller Welt werden eingebunden und erstellen die Reports auf der Basis von wirklich allen relevanten Forschungsrichtungen.

Wir haben uns rund um den Weltklimarat ausführlich informiert und sind ziemlich beeindruckt von der Breite und der Qualifikation der Forschungsarbeit, die hier zusammenkommt. Egal ob naturwissenschaftliche, technische oder sozioökonomische Grundlagen, es gibt zu allen Gebieten, die etwas zum Thema beitragen können, höchst angesehene Expertengruppen.

Ach ja, der Weltklimarat wurde 2007 zusammen mit Al Gore mit dem Friedensnobelpreis ausgestattet.

Wie setzt sich der Weltklimarat zusammen?

Der Sitz des Rates ist in Genf angesiedelt, es gibt das Plenum, einen Vorstand mit 34 Mitgliedern, ein Exekutivkomitee und zahlreiche Arbeits- und Projektgruppen. Diese haben wiederum Geschäftsstellen in verschiedenen Ländern inne und organisieren zum Beispiel die Autorentreffen.

Organisationsstruktur des IPCC. Grau: Regierungen. Grün: Wissenschaft. Blau: Unterstützende Institutionen.

Viele nationale wissenschaftliche Akademien und Vereinigungen beobachten und kontrollieren ständig die Arbeit und die Methodik der Arbeitsgruppen und der Berichte.

Wer hat welche Aufgaben?

Es gibt drei hauptsächliche Arbeitsgruppen zu folgenden Themen:

  • Arbeitsgruppe 1 fasst alle relevanten naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse zusammen und bewertet diese. Es geht hier also um die wichtigsten Grundlagen zur Klimaforschung, mit all ihren Teil-Disziplinen wie Meteorologie, Biologie, etc.
  • Arbeitsgruppe 2 erforscht die Auswirkungen des Klimawandels und erstellt Szenarien für verschiedene mögliche Entwicklungsverläufe. Hier wird also ausgerechnet, was sich alles ändert, wenn wir die Klimaerwärmung auf die berühmten 1,5 Grad begrenzen können, oder, wenn sich das Weltklima sogar um 2 oder mehr Grad erwärmt.
  • Arbeitsgruppe 3 liefert Erkenntnisse zu technologischen oder anderen Maßnahmen, mit denen die Menschheit noch gegensteuern könnte. Welche davon sind in welchem Tempo notwendig und umzusetzen, damit wir die schlimmsten Auswirkungen verhindern können?

Wobei nochmal daran erinnert werden muss, dass hier nicht aktiv geforscht wird, sondern dass alle maßgeblichen Forschungsergebnisse von Experten aus aller Welt zusammengetragen und bewertet werden.

Wie wird über die Ergebnisse berichtet?

Es gibt zwei Ebenen an Berichten, die Sachstandsberichte und die Sonderberichte:

  • Sachstandsberichte: werden alle 5-6 Jahre veröffentlicht, in ihnen wird jeweils umfassend und sehr gründlich der aktuelle Forschungsstand zum Klimawandel zusammengefasst. Wir reden hier von mehreren tausend Seiten, aufgeteilt in der Regel auf drei Bände - für jede der drei Arbeitsgruppen ein Band. Dazu gibt es noch einen Synthesebericht von ungefähr 100 Seiten, in dem die wichtigsten Statements enthalten sind. Der aktuelle sechste Sachstandsbericht ist weitgehend fertig und wird derzeit von verschiedenen Kontrollgremien nochmal überprüft. Er wird voraussichtlich Mitte 2022 verabschiedet und veröffentlicht.
  • Sonderberichte: hier geht es um Einzelthemen, zum Beispiel wie sich der Klimawandel auf die Weltmeere und das Leben in ihnen auswirkt. Auch hier muss man sich Werke von mehreren hundert Seiten vorstellen, die von anerkannten und qualifizierten Autoren zusammengestellt werden.
  • Neben diesen beiden Haupt-Kategorien werden von Zeit zu Zeit auch noch sogenannte Methodik-Berichte herausgegeben, in denen praktische Richtlinien für die Erstellung von Treibhausgasinventaren formuliert sind.
Entstehung von IPCC-Berichten. Grau: Beiträge von Regierungen. Grün: Wissenschaft. Zweifarbig: gemeinsame Prozesse.

Kritik am Weltklimarat

Wie zu erwarten, gibt es teilweise massive Kritik an der Arbeit des Weltklimarats. Die stammt vor allem aus zwei Lagern:

  • Die Leugner des Klimawandels, welche zum Teil mit erheblichen Budgets der Erdöl-Industrie in starken Organisationen gebündelt tätig sind. Da wird viel Schmutzwäsche gewaschen, da werden Leute abgesägt und da werden inhaltlich haarsträubende Positionen verkündet. Dahinter steht häufig die Strategie, dass beim Publikum am Ende rüber kommt, dass sich die Wissenschaftler auch nicht alle einig sind. Natürlich kommen in so einem massiven Werk auch mal Fehler vor, zum Beispiel wurde im vierten Fachstandsbericht eine unklare Gletscherprognose gefunden.
  • Fachleute aus dem anderen Lager kritisieren des Öfteren, dass die Formulierungen zu konservativ, das heißt zu zurückhaltend sind. Das kommt daher, dass sich Wissenschaftler nur sehr ungern auf allzu eindeutige Aussagen festlegen lassen - sie wollen Kritikern möglichst wenig Angriffsflächen bieten. Die Vorsicht bedeutet allerdings, dass einige der Auswirkungen des Klimawandels vermutlich noch drastischer zu befürchten sind, als in den Berichten formuliert. Diese Kritik ist berechtigt, vor allem auch weil ja die Regierungen der Mitgliedsländer noch vor der Veröffentlichung jeweils ein Kontrollrecht haben und auf wichtige Bestandteile Einfluss nehmen.

So, jetzt wisst ihr, woher das Wissen rund um den Klimawandel stammt und wie ernst es zu nehmen ist. Damit seid ihr gewappnet für Diskussionen, könnt euch vor allem aber auch selbst eine fundierte Meinung bilden und bei Bedarf noch weiter recherchieren. Ihr werdet dabei feststellen, dass es wirklich sehr wichtig ist, sich für entsprechende Aktivitäten in der Politik und auch sonst im öffentlichen Leben einzusetzen, damit wir alle die größten Gefahren noch abmildern können.

Die „großen“ und strukturellen Maßnahmen haben dabei natürlich den längeren Hebel, aber auch wir alle können jeweils einzeln in unserem konkreten Lebensumfeld und mit unserem Lebensstil dazu beitragen. Neben allen Alarmsignalen sollten wir nicht vergessen, dass ein nachhaltiges und umweltbewusste Leben auch gesund ist, Spaß macht und überhaupt ein gutes Gefühl mit sich bringt.