CBD-Öl in Drogeriemärkten: Cannabidiol im Faktencheck

Etwa seit 2018 kann man bei DM oder Rossmann verschiedene Produkte kaufen, die Cannabidiol-Öl, also CBD-Öl enthalten. Im Jahr darauf verschwanden die Waren kurzzeitig, nur um einige Monate später in noch größerer Vielfalt wieder im Regal aufzutauchen. Inzwischen gibt es nicht nur Öle, sondern auch Seifen, Cremes und Gesichtsmasken mit CBD. Sogar als Entspannungsmittel für Hunde und Katzen werden die pflanzlichen Öle inzwischen angeboten.

Was hat es mit dem Wirkstoff CBD auf sich?

Die Wirkweise von CBD

Cannabidiol (CBD) wird aus den Blüten der Hanfpflanze gewonnen, enthält aber im Gegensatz zu medizinischem Cannabis nur mikroskopische Mengen psychoaktiven THCs. Das bedeutet, der Nutzhanf kann beruhigend auf den Körper wirken, macht aber weder high noch süchtig.

Wie bei den meisten Pflanzenprodukten lässt sich auch die Wirkung von CBD-Öl nicht hundertprozentig nachweisen – vielmehr wird eine ganze Palette an möglichen Wirkweisen aufgeführt, auf die Anwender:innen hoffen können. Darunter fallen:

  • Schmerzlinderung
  • Entspannung
  • Krampflösung
  • Entzündungshemmung

In Deutschland ist es aktuell allerdings gesetzlich verboten, die Produkte auch mit diesen Heilversprechen zu bewerben.

Streitpunkt THC-Gehalt bei Cannabidiol-Produkten

Erst im Sortiment, dann wieder weg – Worum ging es überhaupt bei den CBD-Ölen?

Grund für das Hin und Her waren ungeklärte rechtliche Fragen in Bezug auf den THC-Gehalt der Produkte und die Vereinbarkeit mit dem Lebensmittelgesetz.

Das 2022 geltende Betäubungsmittelgesetz in Deutschland schreibt vor, dass ein CBD-Produkt verkauft werden darf, solange es nicht mehr als 0,2% THC enthält. Bei Lebensmitteln gelten noch einmal gesonderte Richtwerte.

Behörden hatten durch Stichprobentests herausgefunden, dass einige Öle einen leicht erhöhten THC-Gehalt aufwiesen. Es handelte sich dabei um Grenzüberschreitungen im Mikrogramm-Bereich, also ein tausendstel Milligramm.

Die Richtwerte sind umstritten und viele Expert:innen ordnen sie als zu niedrig angesetzt ein. Andere wiederum fordern eine umfassende Erforschung des Wirkstoffes, bevor Cannabidiol-Produkte frei in den Verkauf gehen.

CBD-Produkte als “Novel Food”?

Im Jahr 2022 hat sich die deutsche Verbraucherschutzzentrale eingehend mit CBD-Ölen befasst. Nach Aussage der Expert:innen kann Cannabidiol als Lebensmittelzutat gesehen werden, da es sich nicht um einen Suchtstoff handelt. Damit zählt es allerdings zu den Lebensmitteln, über die laut der Novel Food Verordnung (“Katalog für neuartige Lebensmittel”) noch nicht ausreichend Erfahrungsberichte vorliegen. Zu diesen “neuartigen” Stoffen zählen alle Produkte, die in der Europäischen Gemeinschaft nicht vor dem 15. Mai 1997 in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden.

CBD wurde aufgrund der fehlenden Zulassung lange als “nicht verkehrsfähig” eingestuft und musste deshalb in vielen Drogeriemärkten zunächst wieder aus dem Sortiment entfernt werden. Bis heute sind die Untersuchungen nicht vollständig abgeschlossen, da noch nicht genug Daten zur gesundheitlichen Auswirkung gesammelt werden konnten. Vermutet werden zum Beispiel Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit. Dieser Effekt wurde bisher nur bei Tieren festgestellt, geht jedoch nicht aus klinischen Studien zum CBD-Konsum durch den Menschen hervor.

Für die Hersteller ist klar: CBD-Produkte bieten sie erstmal lieber nur in Form von Kosmetika und Ölen an – zumindest solange die Rechtslage noch so unbeständig ist.

Rezeption in Europa

In Europa polarisiert die Hanfpflanze bis heute. Studien belegen, dass ihre Inhaltsstoffe gegen unterschiedliche Krankheiten helfen und neue, natürliche Therapieansätze ermöglichen. Gerade die Pharmaindustrie sieht großes Potenzial im CBD-Markt und auch der Verband der Cannabis-versorgenden Apotheken (VCA) bezeichnet CBD als einen Wirkstoff mit hohem Potenzial für die Medizin. Verbraucherschützer warnen jedoch vor nicht erforschten möglichen Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen bei der Einnahme von CBD-Produkten.

Gegen Ende 2020 entschied die EU-Kommission, dass CBD nicht länger als Betäubungsmittel betrachtet werden soll. Um jedoch einen Missbrauch des geringen THC-Gehalts der Blüten auszuschließen, sind der private Erwerb und Besitz von CBD-Blüten bislang nicht erlaubt.

Verkäufer berufen sich auf eine Grauzone im Gesetz, nämlich die CBD-Blüte als “Urprodukt”, welches benötigt wird, um zum Beispiel CBD-Öl herzustellen. Der Missbrauch zu Rauschzwecken kann hierbei ausgeschlossen werden.

Was die Legalisierung von Cannabis damit zu tun hat

Bisher ist es nicht so einfach, eine einheitliche Regelung für CBD-Produkte zu erkennen. Jedes Land ist abhängig vom strengen EU-Recht, hat aber seine eigenen Regeln und Grenzwerte.

Entsprechend herrscht eine nachvollziehbare Unsicherheit in der Bevölkerung vor, die nicht zuletzt in der wechselhaften Haltung unserer Regierung zu begründen ist. An einem Tag ist CBD ein Plazebo für Esoteriker und am anderen soll es viel zu stark für den Verkauf sein!

Wir können nur hoffen, dass die Sachlage bald eindeutiger wird. Klar ist: die “kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften” könnte bald Teil unserer Bürgerrechte sein. Der Gesetzesentwurf soll laut Koalitionsvertrag in der zweiten Jahreshälfte von 2022 vorgelegt werden.

Eine solche Änderung würde auch den reinen CBD-Ölen zugutekommen, denn damit wäre ein kontrollierter Verkauf ohne Komplikationen wie Razzien in Drogeriemärkten, Bioläden und Apotheken gewährleistet und die Öle würden ein verlässlicher Teil der Produktpalette.

Einzelnachweise & Weblinks