Weizenfelder in der Stadt? So könnte urbane Landwirtschaft aussehen.

Urban Farming in Kyoto, Japan.
Urban Farming in Kyoto, Japan. - Fotograf:in: Andrew Pabon

Urbanisierung und Bevölkerungswachstum fordern in der Zukunft neue Möglichkeiten, unsere Ernährung sicherzustellen. Urbane Landwirtschaft könnte eine Lösung sein - und verspricht zudem noch nachhaltigere, gesündere Lebensweisen in der Stadt.

Woher kommen die Lebensmittel der Zukunft?

In etwa 50 Jahren, so die Voraussagen, wird die Menschheit an Zahl so sehr gewachsen sein, dass nicht mehr genügend Agrarflächen zur Verfügung stehen werden. Klar ist also: Es müssen Alternativen und Innovationen her! Eine Idee ist es, Landwirtschaft auch in Städten zu betreiben und nicht nur unsere Wohnungen, sondern auch unsere Felder in die Höhe zu bauen.

Vertikale Landwirtschaft, so nennt sich dieses Prinzip, ist nur eines von mehreren Konzepten die unter dem Begriff “Urbane Landwirtschaft” zusammengefasst werden. Verwandt ist zum Beispiel auch Urban Gardening.

Dabei ist immer auch die Regionalität wichtig: Es geht auch darum, die Lebensmittelproduktion wieder näher an uns Verbraucher zu bringen. Denn wer würde nicht lieber den im selben Ort angebauten Apfel kaufen, statt den, der mehrere tausend Kilometer aus Neuseeland eingeflogen wird?

Wachsen die Äpfel der Zukunft an städtischen Obstbäumen?

Der Garten auf dem Dach

Bestimmt war der ein oder andere schon einmal auf atemberaubenden Dachterrassen. Doch bei den meisten Dächern unserer Städte sieht es eher anders aus: Grün sind sie nicht wirklich. Es kommt eher das typische Bild einer funktionalen Abdeckung auf, ein Ort mit Schornsteinen, Sendemasten, Satellitenschüsseln - aber gewiss kein Ort, den man benutzt oder wo man sich gar wohl fühlt.

Doch warum nicht den Platz verwenden? Urbane Landwirtschaft braucht Fläche, und die Dächer der Stadt bieten genau das. Im Gegensatz zu dem oft bereits durchgeplanten und voll gepflasterten oder geteerten Grund stellt sich in der Höhe auch nicht das Problem, wo noch ein Stück Grün eingefügt werden könnte.

Ein Dachgarten in St. Louis, Missouri.

Dachgärten sind natürlich schon eine ältere Idee. Bereits die Römer nutzten Gärten auf Dächern, um sich dort zu treffen und die Atmosphäre zu genießen. Heutzutage bietet sich das Dachgarten-Konzept als sinnvolle Anlage für urbane Nahrungsmittelproduktion an. Denkbar wäre auch, das solche Gärten von Privatpersonen als Beitrag zur regionalen Wirtschaft genutzt werden - nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch um ihre Erzeugnisse auf städtischen Märkten zu verkaufen.

Vertikale Farmen

Eine zweite Idee, den Anbau von Pflanzen in die Stadt zu bringen, ist das sogenannte Vertical Farming: Dabei werden Pflanzen oder ganze Beete an Wänden oder Gerüsten angebracht, die dicht an dicht in Innenräumen aufgestellt werden. Ein automatisches System sorgt dafür, dass überall stets genug Wasser und Licht zur Verfügung steht. Mit diesem Prinzip lassen sich Hochhäuser gefüllt mit angepflanztem Gemüse und Obst bauen - mitten in der Stadt! Die auf vertikale Farmen spezialisierte Firma Bowery zeigt außerdem mit ihrem Erfolg, dass man damit auch wirtschaften kann.

Vertikaler Pflanzenanbau in Aktion.

Als Green Walls werden Panels ähnlich zu denen in diesem Bild übrigens mit großem Erfolg auch zur Aufwertung von Fassaden oder Arbeitsplätzen eingesetzt.

Urbane Bauernhöfe - geht das?

Seitdem es Städte gibt, hat sich ein ganz einfaches Prinzip entwickelt: Auf “dem Land”, wo es keine Städte gibt, da liegen weite, mehr oder minder naturbelassene Landschaften, die zum Beispiel von Bauern und Holzfällern bewirtschaftet werden. Transporte bringen die Ernte und andere Erzeugnisse, wie etwa Milch oder auch Holz, dann in die Stadt. Spätestens dort werden sie in darauf spezialisierten Betrieben weiterverarbeitet, die sich meist eher in urbanen Gebieten ansiedeln:

Passt nun ein Bauernhof in die Stadt? Prinzipiell spricht natürlich nichts dagegen. Im Gegenteil: Wie oben gesehen, würde der Transport wegfallen und so mehr Regionalität entstehen, Stadt und Land würden wieder näher zusammenrücken, es gäbe mehr Grün - doch all das löst das Grundproblem nicht, dass wir ebenfalls schon gesehen haben: Landwirtschaft braucht Platz.

Deswegen braucht die Idee des Bauernhofs in der Stadt entweder ein grundlegendes Umdenken in der Stadtplanung (zum Beispiel mittels dedizierter großer Grüngürtel) oder eine clevere Idee, um den Platz zwischen, an, in und auf bestehenden Gebäuden zu finden.

Salon der Agrikultur auf dem Messegelände der Pariser Expo.

Nun sind aber Bauernhöfe nunmal keine kleinen Dachgärten, sondern brauchen große Flächen. Deshalb benötigten in Paris die Initiatoren Agripolis auch das Dach der Pariser Expo, um ihr Urban Farming Projekt umzusetzen: Obst und Gemüse auf 14.000 Quadratmetern. Traktoren können da natürlich keine fahren und ein klassischer Familienbetrieb ist das auch nicht - aber es zeigt, dass es geht. Großflächige Gebäude gibt es in vielen Städten, hier ist also definitiv Potenzial!

Mitmachen?

Einen urbanen Bauernhof aufzubauen ist keine triviale Sache, schließlich sind solche Vorhaben immer noch Projekte der Zukunft, die vor allem von öffentlichen Institutionen vorangetrieben werden. Daher ist es momentan noch etwas schwierig für eine Eigenbeteiligung - anders sieht es aber mit Dachgärten aus: Da besteht zum Beispiel die Möglichkeit, sich als Mieter (oder besser: Mietergemeinschaft) an den Vermieter zu wenden und auszuloten, ob man so etwas auf dem eigenen Dach aufbauen könnte. Doch auch in diesem Fall muss man natürlich eine Menge eigene Energie investieren, denn so ein Projekt erfordert eine gute Planung und ordentliche Durchführung. Zudem muss, wie jeder Garten, auch der auf dem Dach regelmäßig gepflegt werden.