Feelgood Consuming und Greenwashing

"In einer Zeit, die von fortwährenden Umweltkrisen und der akuten Notwendigkeit des Umdenkens beim Klimawandel geprägt ist, streben die Verbraucher:innen vermehrt nach einem Gefühl von Sicherheit und positiven Einfluss bei ihren Konsumentscheidungen. Die Idee des Feelgood Consumings, also des Wohlfühl-Konsumierens, hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Es verspricht, Verbraucher nicht nur ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Doch hinter dieser verlockenden Fassade verbirgt sich oft die düstere Realität des Greenwashings.

##Inhaltsverzeichnis
Warum sich 'Feelgood' so gut anfühlt
Mit Greenwashing zu Brainwashing
Greenwashing-Trends
Was kann der Verbraucher tun?
Einzelnachweise & Weblinks

Warum sich 'Feelgood' so gut anfühlt

Kauft man sich ein regional hergestelltes Brötchen beim Bio-Bäcker um die Ecke, oder ein Aufbackbrötchen vom Discounter? Allein solch kleine Entscheidungen beeinflussen den Alltag und die Wahrnehmung des eigenen Konsums. Denn beim Bäcker erwartet man eine kompetente und freundliche Beratung, man fühlt sich gut aufgehoben und hat das Gefühl, bei der Palette an Möglichkeiten mit eben diesem Laden eine gute Wahl getroffen zu haben. Vor allem, wenn man der Umwelt zu Liebe auch noch etwas mehr Geld in die Hand nimmt. Dieses Gefühl des positiven Konsums für die Umwelt, die regionalen Unternehmen und auch für sich selbst, wollen andere, weitaus weniger umweltfreundliche Konzerne ebenfalls für sich nutzen. Es ist ein besorgniserregender Trend, wie Unternehmen sich auf die Emotionen der Verbraucher:innen stützen, um ihr eigenes Image aufzupolieren.

Mit Greenwashing zu Brainwashing

Greenwashing, ein Begriff, der die Täuschung der Verbraucher:innen durch Unternehmen beschreibt, die sich umweltfreundlicher darstellen als sie wirklich sind, wird im Zuge des wachsenden gesellschaftlichen Bewusstseins für den Klimawandel immer bedeutsamer. Unternehmen nutzen geschickt das wachsende Nachhaltigkeitsinteresse der Konsumenten aus, indem sie ihre Produkte oder Praktiken als umweltfreundlich oder nachhaltig bewerben, obwohl sie weit entfernt von ihrer tatsächlichen ökologischen Verantwortung sind. Außerdem gibt es noch den Begriff des Socialwashings, welches sich auf vermeintliche positive Beziehungen zu den Arbeitnehmer:innen bezieht. Es werden faire Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten angepriesen, jedoch entspricht dies nicht immer der Wahrheit. Die Strategien zielen darauf ab, das Gewissen der Konsument:innen zu beruhigen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie durch den Kauf dieser Produkte oder die Unterstützung dieser Unternehmen gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun. Statt Fast-Fashion wird beispielsweise Bio-Baumwolle beworben, obwohl an anderer Stelle dennoch umweltschädliche Chemikalien genutzt werden. Von Werbekampagnen, die Naturverbundenheit und Umweltbewusstsein betonen, bis hin zu Etiketten mit grünen Symbolen und Behauptungen über die Verwendung nachhaltiger Materialien – all diese Taktiken dienen dazu, das Vertrauen der Konsument:innen zu gewinnen und sie zum Kauf zu verleiten. Das Problem liegt jedoch darin, dass viele dieser Behauptungen und Versprechen hohle Phrasen sind, die mehr auf Marketingstrategien als auf tatsächlichen umweltfreundlichen Praktiken basieren. Produkte, die als ""grün"" oder ""nachhaltig"" beworben werden, können oft eine weitreichende ökologische Bilanz haben, die nicht wirklich den Versprechungen entspricht. Von der Verwendung von geringfügigen umweltfreundlichen Komponenten bis hin zur Vernachlässigung größerer umweltschädlicher Aspekte können diese Praktiken das grüne Image eines Unternehmens maskieren, während sie den tatsächlichen Schaden für die Umwelt verschleiern.

Greenwashing-Trends

Es gibt verschiedene Strategien von Greenwashing, die wir natürlich kurz auflisten.

  1. Kompromiss: Ein oder mehrere besonders positiv klingende Produkteigenschaften werden stark hervorgehoben, während andere negative Aspekte verschleiert werden.
  2. Nicht nachweisbare Aussagen: Viele Slogans und Werbesprüche à la ""Vetrau mir, Bruder!"" kommen ohne stichfesten Nachweis daher.
  3. Unklare Aussagen: Nicht nur falsche Versprechungen zählen zu den Methoden der Konzerne. Auch sehr undurchsichtige Aussagen mit Stichwörtern wie ""aus kontrolliertem Anbau"", ""umweltfreundlich produziert"" oder ""klimafreundlich"" verwirren den Konsumenten und lassen konkrete Fragen unbeantwortet. Außerdem sind diese Begriffe nicht geschützt und daher ohne Konsequenzen nutzbar.
  4. Falsche und nicht existierende Siegel: Konzerne erfinden nicht selten eigene Label und Siegel, um den Anschein ausgezeichneter und umweltbewusster Leistungen zu erwecken.
  5. Falsche Aussagen: Diese Kategorie bezieht sich auf weder unnachweisbare, noch undurchsichtige, sondern schlichtweg falsche Versprechungen gegenüber den Konsument:innen.

Was kann der Verbraucher tun?

Passend zu den Tricks der Unternehmen zeigen wir euch auch, wie ihr Greenwashing leichter erkennen könnt:

  1. Der Preis: Fair und nachhaltig produzierte Ware ist nicht für Dumpingpreise möglich. Daher immer auf den Preis achten. Ist es zu schön, um wahr zu sein, dann ist es das sehr wahrscheinlich auch!
  2. Die Auswahl: Gerade bei Kleidung ist oft ein Indiz, wie viele Kollektionen und Kleidungsstücke das Unternehmen zum Verkauf hat. Fast Fashion Label kommen fast wöchentlich mit neuen Produkten um die Ecke, weshalb ein Blick auf kleinere Shops sich meist als nachhaltiger erweist.
  3. Vor Ort: Onlineshops bieten die Möglichkeit, vorab genauestens auf den Nachhaltigkeitsaspekt zu schauen. Aber auch im Laden kann man leicht mit dem Handy kleine Recherchen betreiben, um sich von einem Produkt zu überzeugen.
  4. Der Vergleich: Besonders berechnend sind Unternehmen, die ihre Marketingstrategie nach dem gesellschaftlichen Trend im jeweiligen Land ausrichten. Es lohnt sich deshalb, auch einmal bei der Website desselben Anbieters in einer anderen Region, zum Beispiel den USA vorbeizuschauen. Oftmals spielen die nachhaltigen Werbeversprechen hier keine Rolle oder tauchen nicht mal auf der Website auf – hier liegt der Verdacht nahe, dass es sich dabei also kaum um die wirkliche Unternehmensphilosophie des Anbieters handeln kann.

ein-wichtiger-spruch-der-uns-hoffentlich-durch-die-zukunft-bringt.webp
Ein wichtiger Spruch, der uns hoffentlich durch die Zukunft bringt. Copyright: Foto von Edward Howell auf Unsplash

Die Schwierigkeit für Verbraucher besteht darin, die Wahrheit hinter diesen Marketingstrategien zu entdecken. Es erfordert Recherche, kritisches Denken und eine tiefe Analyse der Ansprüche eines Unternehmens, um herauszufinden, ob ihre Bemühungen für Umweltfreundlichkeit authentisch sind oder lediglich als Marketingstrategie dienen.

Es ist entscheidend, dass Verbraucher:innen nicht in die Falle des Greenwashings tappen und sich stattdessen bewusst für Unternehmen und Produkte entscheiden, die tatsächlich ernsthafte Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit unternehmen.

Durch ihre Entscheidungen haben Konsumenten einen Einfluss auf die Unternehmenslandschaft. Durch Forderungen nach mehr Transparenz und Verantwortung seitens der Konzerne, kann zukünftig womöglich mehr Greenwashing aufgedeckt werden. Letztendlich liegt es an uns als Verbraucher, die Fassade des Feelgood Consumings und Greenwashings zu durchbrechen. Wir müssen unsere Kaufentscheidungen kritisch hinterfragen, Unternehmen zur Rechenschaft ziehen und uns für echte, nachhaltige Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen.

Die Illusion des umweltbewussten Konsums kann nur dann Realität werden, wenn wir wachsam bleiben und uns für authentische, umweltfreundliche Praktiken einsetzen, die über bloße Marketingtricks hinausgehen. Doch es braucht auch strengere Gesetze und stärkere Kontrollen sowie verlässliche Siegel, um auch in Zukunft nachhaltigen und sicheren Konsum gewährleisten zu können. Am nachhaltigsten ist allerdings immer noch der Verzicht auf zu hohen Konsum und das Umstellen auf Re-use und Recycling.

Einzelnachweise & Weblinks

04.02.26
ein-wichtiger-spruch-der-uns-hoffentlich-durch-die-zukunft-bringt.webp

Verwandte Artikel

“Green Claims Directive” der EU Kommission

"*Klimaneutral, Nachhaltig, Aus recyceltem Plastik* – Hersteller überschlagen sich heutzutage mit umweltbezogenen Werbeversprechen und bescheinigen dies mit dem Aufdruck eines entsprechenden Labels auf ihrem Produkt oder ihrer Website. Diese ""[Green Claims](https://suchdichgruen.de/glossar/615/green-claims/?lang=de&redirect=false)"" geben uns beim Einkaufen das Gefühl, etwas Gutes zu tun und umweltbewusst zu handeln. Doch nur weil es drauf steht, bedeutet das längst nicht, dass alle Produkte wirklich eine nachhaltige Herstellung durchlebt haben. Für viele Hersteller sind Siegel und Nachhaltigkeitsversprechen leider eine reine Marketing-Strategie. ##Inhaltsverzeichnis [Das Geschäft mit Net Zero](#teil-1) [Einheitliche Nachhaltigkeitskriterien für ""Green Claims""](#teil-2) [Was ist die Green Claims Directive](#teil-3) [Kritik an der Richtlinie](#teil-4) [Verbesserungsvorschläge für die Green Claims Directive](#teil-5) [Erste Erfolge der Green Claims Directive](#teil-6) [Einzelnachweise \& Weblinks](#table-of-sources) ## Das Geschäft mit Net Zero Unternehmen haben inzwischen verstanden, dass ein [nachhaltiger](https://suchdichgruen.de/glossar/nachhaltigkeit/) Lebensstil, sowie geringer Kohlenstoffausstoß Verbraucher:innen immer wichtiger wird und die Menschen auch bereit sind, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn sie dafür gesund und umweltbewusst einkaufen können. Einige Geschäfte passen sich nur zu gerne dieser Philosophie an und leben sie ehrlich aus, während andere schlicht die Ansprache in ihrer Werbung verändern, um so ihren Kundenstamm zu erhalten. [Greenwashing](https://suchdichgruen.de/glossar/61/greenwashing/?lang=de&redirect=false) nennt sich diese Methode, in der Konsument:innen vorgegaukelt wird, Produkte seien ""grüner"", also umweltfreundlicher hergestellt, als sie es in Wirklichkeit sind. In unserem [Artikel zu Feelgood Consuming und Greenwashing](https://suchdichgruen.de/nachhaltige-mode/a486/feelgood-consuming-und-greenwashing/?lang=de) klären wir ausführlich, welche Tricks Unternehmen anwenden und weshalb sie so gut funktionieren. ## Einheitliche Nachhaltigkeitskriterien für ""Green Claims"" Im Jahr 2020 veröffentlichte die EU-Kommission eine [Studie](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:52022SC0085), die das erschreckende Ergebnis teilte, dass etwa 40% aller Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen ""völlig unbegründet"" und knapp über die Hälfte der Aussagen ""vage, irreführend oder unbegründet"" seien. Um der Flut an inhaltslosen Umweltversprechungen und Nachhaltigkeitssiegeln Einhalt zu gebieten, wurden deshalb gemeinsame Kriterien vorgeschlagen, um gegen solche irreführenden Aussagen vorzugehen. Die ""Green Claims Directive"" ist eine geplante Richtlinie der EU. Der [Vorschlag](https://environment.ec.europa.eu/publications/proposal-directive-green-claims_en) wurde am 22.03.2023 veröffentlicht und von der Kommission angenommen und zielt darauf ab, endlich einen klaren und einheitlichen Rahmen für den Umgang mit umweltbezogenen Angaben zu schaffen. Damit ergänzt er einen [Vorschlag](https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_22_2098) von 2022 für eine Richtlinie, die dem Verbraucher mehr Sicherheit und Transparenz geben soll, um einen ökologischen Wandel herbeiführen zu können. Auch jetzt stehen Transparenz, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit im Fokus. Es sollen nachweislich nachhaltige Praktiken gefördert werden, während gleichzeitig den Verbraucher:innen die Sicherheit beim Einkauf gegeben wird, nicht durch falsche Angaben und fadenscheinige Siegel in die Irre geführt zu werden. Vielmehr sollten Verbraucher:innen dazu befähigt werden, ihre Entscheidungen auf der Grundlage zuverlässiger und vergleichbarer Informationen über die Nachhaltigkeit, die Haltbarkeit und den [CO2-Fußabdruck](https://suchdichgruen.de/glossar/co2-fussabdruck/) eines Produktes treffen zu können. Greenwashing wird somit der Kampf angesagt. ## Was ist die Green Claims Directive ### Das wird überprüft Es sollen alle ""explizite Umweltaussagen"" validiert werden, die über ein Produkt getroffen werden. Das umfasst alle Aspekte im Lebenszyklus eines Produktes und wie es sich auf die Umwelt auswirkt, von der Herstellung über Lieferung bis hin zur Nutzung. Dieser Vorschlag unterstützt die Ausbildung einer nachhaltigen [Kreislaufwirtschaft](https://suchdichgruen.de/glossar/kreislaufwirtschaft/) und wirkt der aktuell herrschenden Tendenz einer Wegwerfgesellschaft entgegen. Alle Kriterien werden einzeln bewertet und aufgeführt, sodass es nicht mehr möglich sein wird, ein Umweltzeichen auf Grundlage der gesamten Bewertung eines Produkts zu erhalten. Ein Produkt mit nachhaltig produzierten Inhaltsstoffen kann so zum Beispiel nicht mehr verschleiern, dass diese trotzdem an Tieren getestet wurden und muss auch diesen Aspekt aufdecken. Die Informationen über ein ausgezeichnetes Produkt müssten transparent und einfach zu erreichen sein – Nutzer:innen müssen diese also beispielsweise durch einen QR-Code oder Weblink aufrufen können. ### Wer kann mitmachen Die Verordnung bezieht sich auf Unternehmen mit über 10 Beschäftigten, die freiwillig Einblick über die Umweltauswirkungen Ihres Produktes geben und ihre ""Green Claims"", also Nachhaltigkeitsversprechen, verifizieren lassen möchten. Dem Vorschlag nach wird somit nachhaltiges Handeln gefördert und mit Sichtbarkeit belohnt. Um überhaupt aufgenommen zu werden, muss der Nachweis durch das Unternehmen erfolgen, dass ein festgelegtes Mindestmaß an Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllt ist. ### Wie wird kontrolliert Die Kontrolle erfolgt durch unabhängige Prüfer, um so der Verbreitung von Greenwashing und Selbstzertifizierung entgegenzuwirken. Fällt das Ergebnis der unabhängigen Prüfstelle positiv aus, so kann durch diese ein EU-weit gültiges Zertifikat, der Green Claim, ausgestellt werden, welches in der gesamten EU für das Unternehmen anerkannt sein soll. Diese Kontrollstellen sollen von den Mitgliedstaaten selbst eingerichtet werden. Wer gegen diese vereinbarten Kriterien verstößt, hat mit Konsequenzen zu rechnen, die vom Ausschluss öffentlicher Zuschüsse durch den Staat bis hin zu Geldstrafen oder der Konfiskation von Einnahmen durch die falsch ausgewiesenen Produkte reichen. ### Wann beginnt es Der Entwurf der Richtlinie liegt vor und wird im nächsten Schritt im Europäischen Parlament und im Europarat beraten. ### Was sind die Ziele Der gewünschte Effekt durch die Einführung einheitlicher Umweltrichtlinien sollte die gesteigerte **Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von Produkten** innerhalb der gesamten EU sein. Verbraucher:innen sollten so vor Greenwashing durch Unternehmen geschützt werden. Indem sie dank der neuen Transparenz selbst **fundierte Entscheidungen treffen** und somit die Verantwortung für nachhaltiges Einkaufen übernehmen können, besteht die Hoffnung, dass Einkäufer:innen einen großen Beitrag zur **Schaffung einer kreislauforientierten und grünen EU-Wirtschaft** leisten. Gleichzeitig sollen somit **faire Wettbewerbsbedingungen** geschaffen werden und solche Unternehmen hervorgehoben, die tatsächlich Nachhaltigkeit in die Herstellung ihrer Produkte mit einbeziehen. Durch Green Claims können diese ihre Glaubwürdigkeit innerhalb der EU untermauern. Die Hoffnung ist, dass insgesamt mehr Unternehmen auf echte ökologische Produktion umsteigen, da auch die Nachfrage dahingehend wachsen wird. ## Kritik an der Richtlinie Einige Kritiker befürchten, dass die Richtlinie nicht effektiv sein wird, da die nationalen Behörden sie möglicherweise nicht konsequent durchsetzen und irreführende umweltbezogene Aussagen nicht wirksam bekämpfen. Die Richtlinie wird außerdem dafür kritisiert, dass sie sich hauptsächlich auf den Produkt-Umwelt-Fußabdruck (PEF) stützt, also auf Kohlenstoffemissionen konzentriert und andere wichtige Umweltaspekte wie Schadstoffe und Recyclingfähigkeit nicht gleichermaßen stark einbezieht. Die PEF bezieht aktuell folgende Kategorien von Auswirkungen mit ein: * Klimawandel * Ozonabbau * Humantoxizität (Giftwirkung von Substanzen auf den Menschlichen Körper) * Feinstaub * Ionisierende Strahlung (""Verstrahlung"") * Photochemische Ozonbildung (Veränderung der Ozonbildung auf Bodenhöhe) * Versauerung * Eutrophierung (Anreicherungen von Nährstoffen in Land, Süßwasser und Meer) * Ökotoxizität (Auswirkung bestimmter Substanzen auf unser Süßwasser) * Landnutzung * Wassernutzung * Ressourcennutzung (Mineralien und Metalle) und Ressourcennutzung (Fossile). Umweltorganisationen bemängeln daneben, dass es in der EU keine einheitliche Methodik zur Bewertung von Umweltauswirkungen gibt. Firmen, die es darauf anlegen, Greenwashing zu betreiben, könnten Methoden wählen, die ihre Auswirkungen in einem positiveren Licht darstellen. Verbraucher- und Umweltschützer argumentieren, dass die Regeln durch die Lobbyarbeit der Industrie zu stark abgeschwächt wurden, wodurch sie zu vage sind, um effektiv für einen Wandel zu sorgen. Insgesamt wird die Richtlinie dennoch als Schritt in die richtige Richtung angesehen, aber ihr Erfolg hängt von einer konsequenten Durchsetzung, einer umfassenderen Berücksichtigung von Umweltfaktoren und eindeutigen und vor allem einheitlichen Methoden ab. ## Verbesserungsvorschläge für die Green Claims Directive Unterschiedliche Organisationen haben die Richtlinie unter die Lupe genommen und einige Verbesserungsvorschläge gemacht: Einige Kritiker plädieren dafür, sämtliche Behauptungen über vermeintliche Kohlenstoff- oder [Klimaneutralität](https://suchdichgruen.de/glossar/klimaneutralitaet/) zu unterbinden. Es wird vorgeschlagen, dass Kohlenstoff-Kompensation ausschließlich zu unabhängigen Beiträgen zum[Klimaschutz](https://suchdichgruen.de/glossar/klimaschutz/) gezählt werden sollte und nicht (etwa mittels fadenscheiniger Zertifikate) über den tatsächlichen Ausstoß eines Unternehmens hinwegtäuschen darf. Aussagen, die die zukünftige Gestaltung von Vorgängen im Unternehmen betreffen, sollen bisweilen nur auf interner Ebene kommuniziert werden. Inhaltsleere Werbeslogans wie ""Auf dem Weg zur Emissionsfreiheit"" oder ""Net Zero bis 2030"" sollen damit unterbunden werden. ![green-claims-kritik.webp](https://suchdichgruen-de.portal.mark.ee/strapi/uploads/green_claims_kritik_4d8b32c60d.webp) Keine vagen Versprechungen mehr als Marketing-Masche. Copyright: Eigene Darstellung Dies soll eine schnelle Umsetzung fördern und den Fokus auf die allgemeine Verbesserung von Unternehmensprozessen lenken. Zudem sollten Umweltaussagen spezifisch formuliert werden und auf Fakten basieren, die, vorzugsweise von unabhängiger Stelle, anhand von einheitlichen Kriterien überprüft werden können. Statt einer Vision könnten so nur noch Tatsachen verkauft werden. Organisationen haben zudem die Idee aufgebracht, eine Liste von vorab genehmigten Zertifizierungssystemen und Siegeln für Nachhaltigkeit auf EU-Ebene einzuführen, um auch hier einheitliche Kriterien zu schaffen. Ein nächster Schritt wäre die internationale Abstimmung – dabei würden EU-Methoden mit weltweit anerkannten Standards abgeglichen, sodass auch Importware im EU-eigenen System anschlussfähig bleiben kann. Würden diese Aspekte berücksichtigt, dann könnten einige der aktuellen Kritikpunkte ausgeräumt und ein tatsächlich verlässlicher Rahmen für umweltbezogene Angaben auf Produkten innerhalb der EU sichergestellt werden, so die Idee. Die Kolleg:innen von Evergreen haben das Thema auch noch einmal in einem Video für dich zusammengefasst: ## Erste Erfolge der Green Claims Directive Das **europäische Verbraucherschutz-Netzwerk (CPC)** ist anfang diesen Jahres in Zusammenarbeit mit dem **Umweltbundesamt (UBA)** erfolgreich gegen irreführende Umweltbehauptungen, also ""Green Claims"", auf den Webseiten des Mode-Versandhändlers Zalando vorgegangen. Als Reaktion darauf hat Zalando auf seinen europäischen Websites unter anderem das Banner ""Nachhaltigkeit"" und kleine Icons, z.B. von Blättern und kleinen Bäumen, bei Produktabbildungen entfernt, die eine unzulässige Behauptung darstellen. Die Plattform sagte zu, von jetzt an solche Aussagen nur noch im Zusammenhang mit klaren und aussagekräftigen Informationen für die Verbraucher:innen zu tätigen. Ein klarer Gewinn, wenn auch hart erkämpft. Diese Artikel könnten dich auch interessieren: * [Vier Tierwohl-Siegel genauer unter die Lupe genommen](https://suchdichgruen.de/wissen-und-technologie/a359/siegel-fuer-mehr-tierwohl-was-steckt-dahinter/?lang=de) * [Wie das Siegel ""Blauer Engel"" die Umwelt schützt](https://suchdichgruen.de/wissen-und-technologie/a134/blauer-engel-der-schutzengel-fuer-die-umwelt/?lang=de) ## Einzelnachweise \& Weblinks * https://environment.ec.europa.eu/topics/circular-economy/green-claims_en * https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/4189ef27-9559-11ed-b508-01aa75ed71a1/language-en * https://eatsmarter.de/ernaehrung/news/bio-siegel * https://germany.representation.ec.europa.eu/news/gegen-greenwashing-kommission-pocht-auf-verlasslichere-umweltangaben-fur-produkte-und-2023-03-22_de * https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_23_1692 * https://www.umweltzeichen.at/en/home/start/green-claims-richtlinie * https://www.eurofins.de/food-analysis/food-news/food-testing-news/eu-directive-on-green-claims/ * https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/eubiologo-einheitliches-logo-fuer-verpackte-oekoprodukte-10717 * https://www.houseofchange.net/de/resources/top-25-questions-answers-on-the-new-eu-green-claims-directive#faq-criticisms * https://ecostandard.org/news_events/to-pef-or-not-to-pef-make-all-green-claims-robust/ * https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/verbraucherschutz-erfolg-gegen-greenwashing"

Cookie-Richtlinie