“Green Claims Directive” der EU Kommission

"Klimaneutral, Nachhaltig, Aus recyceltem Plastik – Hersteller überschlagen sich heutzutage mit umweltbezogenen Werbeversprechen und bescheinigen dies mit dem Aufdruck eines entsprechenden Labels auf ihrem Produkt oder ihrer Website. Diese ""Green Claims"" geben uns beim Einkaufen das Gefühl, etwas Gutes zu tun und umweltbewusst zu handeln. Doch nur weil es drauf steht, bedeutet das längst nicht, dass alle Produkte wirklich eine nachhaltige Herstellung durchlebt haben. Für viele Hersteller sind Siegel und Nachhaltigkeitsversprechen leider eine reine Marketing-Strategie.
##Inhaltsverzeichnis
Das Geschäft mit Net Zero
Einheitliche Nachhaltigkeitskriterien für ""Green Claims""
Was ist die Green Claims Directive
Kritik an der Richtlinie
Verbesserungsvorschläge für die Green Claims Directive
Erste Erfolge der Green Claims Directive
Einzelnachweise & Weblinks

Das Geschäft mit Net Zero

Unternehmen haben inzwischen verstanden, dass ein nachhaltiger Lebensstil, sowie geringer Kohlenstoffausstoß Verbraucher:innen immer wichtiger wird und die Menschen auch bereit sind, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn sie dafür gesund und umweltbewusst einkaufen können. Einige Geschäfte passen sich nur zu gerne dieser Philosophie an und leben sie ehrlich aus, während andere schlicht die Ansprache in ihrer Werbung verändern, um so ihren Kundenstamm zu erhalten. Greenwashing nennt sich diese Methode, in der Konsument:innen vorgegaukelt wird, Produkte seien ""grüner"", also umweltfreundlicher hergestellt, als sie es in Wirklichkeit sind.

In unserem Artikel zu Feelgood Consuming und Greenwashing klären wir ausführlich, welche Tricks Unternehmen anwenden und weshalb sie so gut funktionieren.

Einheitliche Nachhaltigkeitskriterien für ""Green Claims""

Im Jahr 2020 veröffentlichte die EU-Kommission eine Studie, die das erschreckende Ergebnis teilte, dass etwa 40% aller Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen ""völlig unbegründet"" und knapp über die Hälfte der Aussagen ""vage, irreführend oder unbegründet"" seien. Um der Flut an inhaltslosen Umweltversprechungen und Nachhaltigkeitssiegeln Einhalt zu gebieten, wurden deshalb gemeinsame Kriterien vorgeschlagen, um gegen solche irreführenden Aussagen vorzugehen.

Die ""Green Claims Directive"" ist eine geplante Richtlinie der EU. Der Vorschlag wurde am 22.03.2023 veröffentlicht und von der Kommission angenommen und zielt darauf ab, endlich einen klaren und einheitlichen Rahmen für den Umgang mit umweltbezogenen Angaben zu schaffen. Damit ergänzt er einen Vorschlag von 2022 für eine Richtlinie, die dem Verbraucher mehr Sicherheit und Transparenz geben soll, um einen ökologischen Wandel herbeiführen zu können.

Auch jetzt stehen Transparenz, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit im Fokus. Es sollen nachweislich nachhaltige Praktiken gefördert werden, während gleichzeitig den Verbraucher:innen die Sicherheit beim Einkauf gegeben wird, nicht durch falsche Angaben und fadenscheinige Siegel in die Irre geführt zu werden. Vielmehr sollten Verbraucher:innen dazu befähigt werden, ihre Entscheidungen auf der Grundlage zuverlässiger und vergleichbarer Informationen über die Nachhaltigkeit, die Haltbarkeit und den CO2-Fußabdruck eines Produktes treffen zu können. Greenwashing wird somit der Kampf angesagt.

Was ist die Green Claims Directive

Das wird überprüft

Es sollen alle ""explizite Umweltaussagen"" validiert werden, die über ein Produkt getroffen werden. Das umfasst alle Aspekte im Lebenszyklus eines Produktes und wie es sich auf die Umwelt auswirkt, von der Herstellung über Lieferung bis hin zur Nutzung. Dieser Vorschlag unterstützt die Ausbildung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und wirkt der aktuell herrschenden Tendenz einer Wegwerfgesellschaft entgegen.

Alle Kriterien werden einzeln bewertet und aufgeführt, sodass es nicht mehr möglich sein wird, ein Umweltzeichen auf Grundlage der gesamten Bewertung eines Produkts zu erhalten. Ein Produkt mit nachhaltig produzierten Inhaltsstoffen kann so zum Beispiel nicht mehr verschleiern, dass diese trotzdem an Tieren getestet wurden und muss auch diesen Aspekt aufdecken.

Die Informationen über ein ausgezeichnetes Produkt müssten transparent und einfach zu erreichen sein – Nutzer:innen müssen diese also beispielsweise durch einen QR-Code oder Weblink aufrufen können.

Wer kann mitmachen

Die Verordnung bezieht sich auf Unternehmen mit über 10 Beschäftigten, die freiwillig Einblick über die Umweltauswirkungen Ihres Produktes geben und ihre ""Green Claims"", also Nachhaltigkeitsversprechen, verifizieren lassen möchten. Dem Vorschlag nach wird somit nachhaltiges Handeln gefördert und mit Sichtbarkeit belohnt.

Um überhaupt aufgenommen zu werden, muss der Nachweis durch das Unternehmen erfolgen, dass ein festgelegtes Mindestmaß an Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllt ist.

Wie wird kontrolliert

Die Kontrolle erfolgt durch unabhängige Prüfer, um so der Verbreitung von Greenwashing und Selbstzertifizierung entgegenzuwirken. Fällt das Ergebnis der unabhängigen Prüfstelle positiv aus, so kann durch diese ein EU-weit gültiges Zertifikat, der Green Claim, ausgestellt werden, welches in der gesamten EU für das Unternehmen anerkannt sein soll. Diese Kontrollstellen sollen von den Mitgliedstaaten selbst eingerichtet werden. Wer gegen diese vereinbarten Kriterien verstößt, hat mit Konsequenzen zu rechnen, die vom Ausschluss öffentlicher Zuschüsse durch den Staat bis hin zu Geldstrafen oder der Konfiskation von Einnahmen durch die falsch ausgewiesenen Produkte reichen.

Wann beginnt es

Der Entwurf der Richtlinie liegt vor und wird im nächsten Schritt im Europäischen Parlament und im Europarat beraten.

Was sind die Ziele

Der gewünschte Effekt durch die Einführung einheitlicher Umweltrichtlinien sollte die gesteigerte Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von Produkten innerhalb der gesamten EU sein. Verbraucher:innen sollten so vor Greenwashing durch Unternehmen geschützt werden. Indem sie dank der neuen Transparenz selbst fundierte Entscheidungen treffen und somit die Verantwortung für nachhaltiges Einkaufen übernehmen können, besteht die Hoffnung, dass Einkäufer:innen einen großen Beitrag zur Schaffung einer kreislauforientierten und grünen EU-Wirtschaft leisten. Gleichzeitig sollen somit faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden und solche Unternehmen hervorgehoben, die tatsächlich Nachhaltigkeit in die Herstellung ihrer Produkte mit einbeziehen. Durch Green Claims können diese ihre Glaubwürdigkeit innerhalb der EU untermauern. Die Hoffnung ist, dass insgesamt mehr Unternehmen auf echte ökologische Produktion umsteigen, da auch die Nachfrage dahingehend wachsen wird.

Kritik an der Richtlinie

Einige Kritiker befürchten, dass die Richtlinie nicht effektiv sein wird, da die nationalen Behörden sie möglicherweise nicht konsequent durchsetzen und irreführende umweltbezogene Aussagen nicht wirksam bekämpfen. Die Richtlinie wird außerdem dafür kritisiert, dass sie sich hauptsächlich auf den Produkt-Umwelt-Fußabdruck (PEF) stützt, also auf Kohlenstoffemissionen konzentriert und andere wichtige Umweltaspekte wie Schadstoffe und Recyclingfähigkeit nicht gleichermaßen stark einbezieht.

Die PEF bezieht aktuell folgende Kategorien von Auswirkungen mit ein:

  • Klimawandel
  • Ozonabbau
  • Humantoxizität (Giftwirkung von Substanzen auf den Menschlichen Körper)
  • Feinstaub
  • Ionisierende Strahlung (""Verstrahlung"")
  • Photochemische Ozonbildung (Veränderung der Ozonbildung auf Bodenhöhe)
  • Versauerung
  • Eutrophierung (Anreicherungen von Nährstoffen in Land, Süßwasser und Meer)
  • Ökotoxizität (Auswirkung bestimmter Substanzen auf unser Süßwasser)
  • Landnutzung
  • Wassernutzung
  • Ressourcennutzung (Mineralien und Metalle) und Ressourcennutzung (Fossile).

Umweltorganisationen bemängeln daneben, dass es in der EU keine einheitliche Methodik zur Bewertung von Umweltauswirkungen gibt. Firmen, die es darauf anlegen, Greenwashing zu betreiben, könnten Methoden wählen, die ihre Auswirkungen in einem positiveren Licht darstellen. Verbraucher- und Umweltschützer argumentieren, dass die Regeln durch die Lobbyarbeit der Industrie zu stark abgeschwächt wurden, wodurch sie zu vage sind, um effektiv für einen Wandel zu sorgen.

Insgesamt wird die Richtlinie dennoch als Schritt in die richtige Richtung angesehen, aber ihr Erfolg hängt von einer konsequenten Durchsetzung, einer umfassenderen Berücksichtigung von Umweltfaktoren und eindeutigen und vor allem einheitlichen Methoden ab.

Verbesserungsvorschläge für die Green Claims Directive

Unterschiedliche Organisationen haben die Richtlinie unter die Lupe genommen und einige Verbesserungsvorschläge gemacht:

Einige Kritiker plädieren dafür, sämtliche Behauptungen über vermeintliche Kohlenstoff- oder Klimaneutralität zu unterbinden. Es wird vorgeschlagen, dass Kohlenstoff-Kompensation ausschließlich zu unabhängigen Beiträgen zumKlimaschutz gezählt werden sollte und nicht (etwa mittels fadenscheiniger Zertifikate) über den tatsächlichen Ausstoß eines Unternehmens hinwegtäuschen darf.

Aussagen, die die zukünftige Gestaltung von Vorgängen im Unternehmen betreffen, sollen bisweilen nur auf interner Ebene kommuniziert werden. Inhaltsleere Werbeslogans wie ""Auf dem Weg zur Emissionsfreiheit"" oder ""Net Zero bis 2030"" sollen damit unterbunden werden.

green-claims-kritik.webp
Keine vagen Versprechungen mehr als Marketing-Masche. Copyright: Eigene Darstellung

Dies soll eine schnelle Umsetzung fördern und den Fokus auf die allgemeine Verbesserung von Unternehmensprozessen lenken. Zudem sollten Umweltaussagen spezifisch formuliert werden und auf Fakten basieren, die, vorzugsweise von unabhängiger Stelle, anhand von einheitlichen Kriterien überprüft werden können. Statt einer Vision könnten so nur noch Tatsachen verkauft werden.

Organisationen haben zudem die Idee aufgebracht, eine Liste von vorab genehmigten Zertifizierungssystemen und Siegeln für Nachhaltigkeit auf EU-Ebene einzuführen, um auch hier einheitliche Kriterien zu schaffen. Ein nächster Schritt wäre die internationale Abstimmung – dabei würden EU-Methoden mit weltweit anerkannten Standards abgeglichen, sodass auch Importware im EU-eigenen System anschlussfähig bleiben kann.

Würden diese Aspekte berücksichtigt, dann könnten einige der aktuellen Kritikpunkte ausgeräumt und ein tatsächlich verlässlicher Rahmen für umweltbezogene Angaben auf Produkten innerhalb der EU sichergestellt werden, so die Idee.

Die Kolleg:innen von Evergreen haben das Thema auch noch einmal in einem Video für dich zusammengefasst:

Erste Erfolge der Green Claims Directive

Das europäische Verbraucherschutz-Netzwerk (CPC) ist anfang diesen Jahres in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA) erfolgreich gegen irreführende Umweltbehauptungen, also ""Green Claims"", auf den Webseiten des Mode-Versandhändlers Zalando vorgegangen. Als Reaktion darauf hat Zalando auf seinen europäischen Websites unter anderem das Banner ""Nachhaltigkeit"" und kleine Icons, z.B. von Blättern und kleinen Bäumen, bei Produktabbildungen entfernt, die eine unzulässige Behauptung darstellen. Die Plattform sagte zu, von jetzt an solche Aussagen nur noch im Zusammenhang mit klaren und aussagekräftigen Informationen für die Verbraucher:innen zu tätigen. Ein klarer Gewinn, wenn auch hart erkämpft.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

Einzelnachweise & Weblinks

04.02.26
green-claims-kritik.webp

Verwandte Artikel

Feelgood Consuming und Greenwashing

"In einer Zeit, die von fortwährenden Umweltkrisen und der akuten Notwendigkeit des Umdenkens beim Klimawandel geprägt ist, streben die Verbraucher:innen vermehrt nach einem Gefühl von Sicherheit und positiven Einfluss bei ihren Konsumentscheidungen. Die Idee des Feelgood Consumings, also des Wohlfühl-Konsumierens, hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Es verspricht, Verbraucher nicht nur ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Doch hinter dieser verlockenden Fassade verbirgt sich oft die düstere Realität des Greenwashings. ##Inhaltsverzeichnis [Warum sich 'Feelgood' so gut anfühlt](#teil-1) [Mit Greenwashing zu Brainwashing](#teil-2) [Greenwashing-Trends](#teil-3) [Was kann der Verbraucher tun?](#teil-4) [Einzelnachweise \& Weblinks](#table-of-sources) ## Warum sich 'Feelgood' so gut anfühlt Kauft man sich ein regional hergestelltes Brötchen beim Bio-Bäcker um die Ecke, oder ein Aufbackbrötchen vom Discounter? Allein solch kleine Entscheidungen beeinflussen den Alltag und die Wahrnehmung des eigenen [Konsums](https://suchdichgruen.de/glossar/konsum/). Denn beim Bäcker erwartet man eine kompetente und freundliche Beratung, man fühlt sich gut aufgehoben und hat das Gefühl, bei der Palette an Möglichkeiten mit eben diesem Laden eine gute Wahl getroffen zu haben. Vor allem, wenn man der Umwelt zu Liebe auch noch etwas mehr Geld in die Hand nimmt. Dieses Gefühl des positiven Konsums für die Umwelt, die regionalen Unternehmen und auch für sich selbst, wollen andere, weitaus weniger umweltfreundliche Konzerne ebenfalls für sich nutzen. Es ist ein besorgniserregender Trend, wie Unternehmen sich auf die Emotionen der Verbraucher:innen stützen, um ihr eigenes Image aufzupolieren. ## Mit Greenwashing zu Brainwashing [Greenwashing](https://suchdichgruen.de/glossar/greenwashing/), ein Begriff, der die Täuschung der Verbraucher:innen durch Unternehmen beschreibt, die sich umweltfreundlicher darstellen als sie wirklich sind, wird im Zuge des wachsenden gesellschaftlichen Bewusstseins für den Klimawandel immer bedeutsamer. Unternehmen nutzen geschickt das wachsende [Nachhaltigkeit](https://suchdichgruen.de/glossar/nachhaltigkeit/)sinteresse der Konsumenten aus, indem sie ihre Produkte oder Praktiken als umweltfreundlich oder nachhaltig bewerben, obwohl sie weit entfernt von ihrer tatsächlichen ökologischen Verantwortung sind. Außerdem gibt es noch den Begriff des Socialwashings, welches sich auf vermeintliche positive Beziehungen zu den Arbeitnehmer:innen bezieht. Es werden faire Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten angepriesen, jedoch entspricht dies nicht immer der Wahrheit. Die Strategien zielen darauf ab, das Gewissen der Konsument:innen zu beruhigen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie durch den Kauf dieser Produkte oder die Unterstützung dieser Unternehmen gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun. Statt [Fast-Fashion](https://suchdichgruen.de/glossar/neue-kleidung-schnell-und-guenstig-was-steckt-hinter-fast-fashion/) wird beispielsweise Bio-Baumwolle beworben, obwohl an anderer Stelle dennoch umweltschädliche Chemikalien genutzt werden. Von Werbekampagnen, die Naturverbundenheit und Umweltbewusstsein betonen, bis hin zu Etiketten mit grünen Symbolen und Behauptungen über die Verwendung nachhaltiger Materialien – all diese Taktiken dienen dazu, das Vertrauen der Konsument:innen zu gewinnen und sie zum Kauf zu verleiten. Das Problem liegt jedoch darin, dass viele dieser Behauptungen und Versprechen hohle Phrasen sind, die mehr auf Marketingstrategien als auf tatsächlichen umweltfreundlichen Praktiken basieren. Produkte, die als ""grün"" oder ""nachhaltig"" beworben werden, können oft eine weitreichende ökologische Bilanz haben, die nicht wirklich den Versprechungen entspricht. Von der Verwendung von geringfügigen umweltfreundlichen Komponenten bis hin zur Vernachlässigung größerer umweltschädlicher Aspekte können diese Praktiken das grüne Image eines Unternehmens maskieren, während sie den tatsächlichen Schaden für die Umwelt verschleiern. ## Greenwashing-Trends Es gibt verschiedene Strategien von Greenwashing, die wir natürlich kurz auflisten. 1. **Kompromiss:** Ein oder mehrere besonders positiv klingende Produkteigenschaften werden stark hervorgehoben, während andere negative Aspekte verschleiert werden. 2. **Nicht nachweisbare Aussagen:** Viele Slogans und Werbesprüche à la ""Vetrau mir, Bruder!"" kommen ohne stichfesten Nachweis daher. 3. **Unklare Aussagen:** Nicht nur falsche Versprechungen zählen zu den Methoden der Konzerne. Auch sehr undurchsichtige Aussagen mit Stichwörtern wie ""aus kontrolliertem Anbau"", ""umweltfreundlich produziert"" oder ""klimafreundlich"" verwirren den Konsumenten und lassen konkrete Fragen unbeantwortet. Außerdem sind diese Begriffe nicht geschützt und daher ohne Konsequenzen nutzbar. 4. **Falsche und nicht existierende Siegel:** Konzerne erfinden nicht selten eigene Label und Siegel, um den Anschein ausgezeichneter und umweltbewusster Leistungen zu erwecken. 5. **Falsche Aussagen:** Diese Kategorie bezieht sich auf weder unnachweisbare, noch undurchsichtige, sondern schlichtweg falsche Versprechungen gegenüber den Konsument:innen. ## Was kann der Verbraucher tun? Passend zu den Tricks der Unternehmen zeigen wir euch auch, wie ihr Greenwashing leichter erkennen könnt: 1. **Der Preis:** Fair und nachhaltig produzierte Ware ist nicht für Dumpingpreise möglich. Daher immer auf den Preis achten. Ist es zu schön, um wahr zu sein, dann ist es das sehr wahrscheinlich auch! 2. **Die Auswahl:** Gerade bei Kleidung ist oft ein Indiz, wie viele Kollektionen und Kleidungsstücke das Unternehmen zum Verkauf hat. Fast Fashion Label kommen fast wöchentlich mit neuen Produkten um die Ecke, weshalb ein Blick auf kleinere Shops sich meist als nachhaltiger erweist. 3. **Vor Ort:** Onlineshops bieten die Möglichkeit, vorab genauestens auf den Nachhaltigkeitsaspekt zu schauen. Aber auch im Laden kann man leicht mit dem Handy kleine Recherchen betreiben, um sich von einem Produkt zu überzeugen. 4. **Der Vergleich:** Besonders berechnend sind Unternehmen, die ihre Marketingstrategie nach dem gesellschaftlichen Trend im jeweiligen Land ausrichten. Es lohnt sich deshalb, auch einmal bei der Website desselben Anbieters in einer anderen Region, zum Beispiel den USA vorbeizuschauen. Oftmals spielen die nachhaltigen Werbeversprechen hier keine Rolle oder tauchen nicht mal auf der Website auf – hier liegt der Verdacht nahe, dass es sich dabei also kaum um die wirkliche Unternehmensphilosophie des Anbieters handeln kann. ![ein-wichtiger-spruch-der-uns-hoffentlich-durch-die-zukunft-bringt.webp](https://suchdichgruen-de.portal.mark.ee/strapi/uploads/ein_wichtiger_spruch_der_uns_hoffentlich_durch_die_zukunft_bringt_539b7a637c.webp) Ein wichtiger Spruch, der uns hoffentlich durch die Zukunft bringt. Copyright: Foto von Edward Howell auf Unsplash Die Schwierigkeit für Verbraucher besteht darin, die Wahrheit hinter diesen Marketingstrategien zu entdecken. Es erfordert Recherche, kritisches Denken und eine tiefe Analyse der Ansprüche eines Unternehmens, um herauszufinden, ob ihre Bemühungen für Umweltfreundlichkeit authentisch sind oder lediglich als Marketingstrategie dienen. Es ist entscheidend, dass Verbraucher:innen nicht in die Falle des Greenwashings tappen und sich stattdessen bewusst für Unternehmen und Produkte entscheiden, die tatsächlich ernsthafte Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit unternehmen. Durch ihre Entscheidungen haben Konsumenten einen Einfluss auf die Unternehmenslandschaft. Durch Forderungen nach mehr Transparenz und Verantwortung seitens der Konzerne, kann zukünftig womöglich mehr Greenwashing aufgedeckt werden. Letztendlich liegt es an uns als Verbraucher, die Fassade des Feelgood Consumings und Greenwashings zu durchbrechen. Wir müssen unsere Kaufentscheidungen kritisch hinterfragen, Unternehmen zur Rechenschaft ziehen und uns für echte, nachhaltige Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen. Die Illusion des umweltbewussten Konsums kann nur dann Realität werden, wenn wir wachsam bleiben und uns für authentische, umweltfreundliche Praktiken einsetzen, die über bloße Marketingtricks hinausgehen. Doch es braucht auch strengere Gesetze und stärkere Kontrollen sowie verlässliche Siegel, um auch in Zukunft nachhaltigen und sicheren Konsum gewährleisten zu können. Am nachhaltigsten ist allerdings immer noch der Verzicht auf zu hohen Konsum und das Umstellen auf Re-use und Recycling. ## Einzelnachweise \& Weblinks * https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/handel/retail-recruiting-talentmanagement-von-morgen/ * https://buygoodstuff.de/all-about-eco/greenwashing/ * https://initiative-frosch.de/fastfacts-greenwashing/ * https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/greenwashing-und-socialwashing-beim-kauf-von-kleidung-erkennen/?https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/umwelt-haushalt/nachhaltigkeit/greenwashing-erkennen-79865"

“Flüssigbäume” - die neuen Bäume der Städte?!

"Jahr für Jahr werden stets mehr Autos in den Straßenverkehr eingeführt. Vergangenes Jahr zählte man 579 Pkws je 1.000 Einwohner. Im Vergleich dazu lautete diese Zahl 2010 noch 511 Pkws je 1.000 Einwohner. Die Tendenz im Jahr 2023? Nach wie vor steigend. Dass dies negative Folgen für die Luftqualität hat, liegt auf der Hand. Die durch die [Luftverschmutzung](https://suchdichgruen.de/glossar/luftverschmutzung/)aufkommenden Risiken werden unter anderem in einem Bericht der *EU Umweltagentur* (EAA) von November 2022 deutlich: Im Jahr 2020 starben in der EU etwa 238.000 Menschen an den Folgen von Feinstaubbelastungen; allein in Deutschland waren es rund 28.900. Stadtbewohner sind zwangsläufig besonders gefährdet: Ganze 96% derjenigen, die in Städten leben, sind Feinstaubwerten ausgesetzt, die über den Grenzwerten der WHO liegen. Auch das *Institute for Health Metrics and Evaluation* (IHME) bestätigt diese Zahlen in ihrem *Global Health Data Exchange Tool* (GHDx): Jährlich sterben dreimal so viele Menschen durch Umweltverschmutzung wie durch HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen. Inhaltsverzeichnis [""Flüssigbäume"" als Lösungsansatz](#teil-1) [Kein Baumersatz](#teil-2) [Kostenpunkt](#teil-3) [Der Blick in die Zukunft](#teil-4) [Internationale Perspektiven](#teil-5) [Einzelnachweise und Weblinks](#teil-6) ## ""Flüssigbäume"" als Lösungsansatz Am Institut für multidisziplinäre Forschung an einer Universität in Belgrad, Serbien starteten Danica Stojiljković und Dr. Ivan Spasojević das Pilotprojekt ""LIQUID 3"". Konkret handelt es sich bei dieser Innovation um sogenannte ""flüssige Bäume"". Dabei handelt es sich jedoch nicht um echte Bäume, sondern um urbane Photo-Bioreaktoren, genauer gesagt um mit Wasser befüllte, dreischichtige Glaskästen mit einem Fassungsvermögen von 600 Litern, die Mikroalgen enthalten, die im Tank blühen. Alle verwendeten Materialien sind nachhaltig und vollständig recycelbar. Verwendung finden dabei ausschließlich einzellige Süßwasseralgen, die in Serbien bereits von Natur aus in Teichen und Seen vorzufinden sind. Sie können in regulärem Leitungswasser wachsen und weisen eine bemerkenswerte Resistenz sowohl gegenüber hohen als auch niedrigen Temperaturen auf. Mittels Solarenergie wird die verunreinigte Stadtluft durch eine Pumpe in die Behälter befördert, wo die Algen durch Photosynthese aus dem aufgefangenen CO2 Sauerstoff machen. Die Funktionsweise der flüssigen Bäume ähnelt also der von echten Bäumen - wie der Name bereits vermuten lässt. Die Algen können sogar weitaus mehr Kohlendioxid binden als Bäume: Sie sind zwischen 10 und 50 mal effizienter - abhängig von der Art des Baumes, mit dem man sie vergleicht und von den Umständen, unter denen jener gewachsen ist. ![die-tanks-saeubern-nicht-nur-die-luft-sondern-stellen-auch-eine-tolle-sitzgelegenheit-dar.webp](https://suchdichgruen-de.portal.mark.ee/strapi/uploads/die_tanks_saeubern_nicht_nur_die_luft_sondern_stellen_auch_eine_tolle_sitzgelegenheit_dar_18176ad5c2.webp) Die Tanks säubern nicht nur die Luft, sondern stellen auch eine tolle Sitzgelegenheit dar! Copyright: LIQUID 3 LIQUID 3-Tanks benötigen zudem keine besondere Wartung: lediglich alle eineinhalb Monate muss die Biomasse, welche durch die Zellteilung der Algen entsteht, entfernt werden. Die kann dann wiederum als Düngemittel dienen. Zusätzlich dazu benötigt LIQUID 3 stets neues Wasser und Mineralien, dann können die Algen unendlich und unbegrenzt weiterwachsen. Insgesamt dauert der Wartungsprozess nur 90 Minuten! Ein weiterer Vorteil: Die Tanks können als Sitzbank, Nachtlicht oder Ladegerät für beispielsweise Handys oder Laptops genutzt werden. ## Kein Baumersatz Ziel des Projektes ist es nicht, herkömmliche Bäume zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen! Fotograf:in: Arnaud Mesureur, Copyright: CC0 Unsplash Die LIQUID 3-Tanks sollen Bäume jedoch keinesfalls ersetzen, sondern diese lediglich bei der Luftreinigung unterstützen. Vor allem in Städten, in denen nur wenig Platz vorhanden ist - was aufgrund des akuten Wohnungsmangel in zahlreichen Metropolen mehr als nahe liegt - oder in solchen, in denen besonders viel Luftverschmutzung vorherrscht, können die flüssigen Bäume in Zukunft eine äußerst sinnvolle Ergänzung darstellen, denn sie brauchen pro Reaktor nur rund 3 qm Platz. Weiterhin haben Bäume und Pflanzen besonders in Großstädten zu kämpfen: Wurzelverletzungen, verdichtete Böden beispielsweise durch Arbeiten an Leitungen, zunehmende Stürme, Trocken- und Hitzeperioden verlangen ihnen viel ab, wodurch sie wiederum anfälliger für Krankheiten werden. Zusammenfassend betrachtet können die Flüssigbäume eine förderliche Ergänzung zu Bäumen und Bepflanzungen darstellen, der Hauptfokus umweltschützender Maßnahmen sollte jedoch weiterhin auf der Prävention von [Emissions](https://suchdichgruen.de/glossar/emissionen/)- und Schadstoffausstoß liegen! ## Kostenpunkt 2021 wurde der erste Reaktor des Pilotprojekts in Belgrad aufgestellt, er kostete rund 25.000 Euro und wurde von der Stadt selbst finanziert. Einen Baum anzupflanzen mag zwar um einiges kostengünstiger sein, jedoch muss dieser erst einmal mehrere Jahre wachsen, bis er bis er halbwegs die Größe erreicht hat, in der die CO₂ Absorption ansatzweise vergleichbar mit der von LIQUID 3 ist - Zeit, die wir nicht mehr haben. ## Der Blick in die Zukunft In ganz Serbien setzte man sich zum Ziel, die auf den Mikroalgen basierende Technik weiter zu verbreiten. In Belgrad allein sollen in den kommenden Jahren 25 weitere ""flüssige Bäume"" installiert werden. Diese können nämlich neben der Luftreinigung auch in der Abwasserbehandlung oder als Kompost für Grünflächen eingesetzt werden. In der Zukunft könnte aus Algenresten (im Moment noch nur in der Theorie und in geringen Maßen im Labor) auch ein synthetischer Treibstoff hergestellt werden und sie könnten bei der Herstellung von Karbon-Bauteilen in der Industrie Verwendung finden. Weiterhin soll daran gearbeitet werden, dass LIQUID 3 nicht nur CO2, sondern auch andere Schadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub binden kann. ## Internationale Perspektiven ![ob-die-fluessigbaeume-bald-in-der-ganzen-welt-zu-sehen-sind-bleibt-abzuwarten.webp](https://suchdichgruen-de.portal.mark.ee/strapi/uploads/ob_die_fluessigbaeume_bald_in_der_ganzen_welt_zu_sehen_sind_bleibt_abzuwarten_fff6a1908e.webp) Ob die Flüssigbäume bald in der ganzen Welt zu sehen sind, bleibt abzuwarten! Fotograf:in: Kyle Glenn, Copyright: CC0 Unsplash Darius Wozniak und seine Frau Christa Wild, deutsche Unternehmer, die vor Jahren nach Mallorca ausgewandert sind, ließen sich vom LIQUID-3-Projekt inspirieren und möchten Mikroalgen züchten, die das Projekt der Uni Belgrad nachahmen. Sie stehen bereits in Kooperation mit der Universität Belgrad und haben es sich gemeinsam zum Ziel gemacht, die Vermarktung und Entwicklung der Reaktoren nach Mallorca auszuweiten. Bei dieser Expansion gilt es zu beachten, dass sich je nach Standort, Temperatur und UV-Einstrahlung am jeweiligen Ort bestimmte Arten von Algen besser eignen als andere. Jetzt liegt es daran, die verschiedenen Arten zu heranzuzüchten. Die Universität Belgrad arbeiten daran bereits in Kollaboration mit den beiden Forschern - und wer weiß, vielleicht stehen ja schon bald die ersten flüssigen Bäume in den Großstädten Deutschlands! ## Einzelnachweise und Weblinks * [https://www.green-zones.eu/de/blog-news/fluessige-baeume-statt-umweltzonen](https://www.green-zones.eu/de/blog-news/fluessige-baeume-statt-umweltzonen) * [https://www.nordbayern.de/panorama/saubere-luft-dank-flussigbaumen-das-steckt-hinter-der-verruckten-idee-1.13248774](https://www.nordbayern.de/panorama/saubere-luft-dank-flussigbaumen-das-steckt-hinter-der-verruckten-idee-1.13248774) * [https://worldbiomarketinsights.com/a-liquid-tree-scientists-in-serbia-make-incredible-innovation/](https://worldbiomarketinsights.com/a-liquid-tree-scientists-in-serbia-make-incredible-innovation/) * [https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/lokales/2023/02/19/109175/flussige-baume-den-strassen-von-palma-auf-mallorca.html](https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/lokales/2023/02/19/109175/flussige-baume-den-strassen-von-palma-auf-mallorca.html) * [https://www.watson.de/nachhaltigkeit/gute%20nachricht/142815615-retter-der-innenstaedte-fluessigbaeume-sollen-fuer-saubere-luft-in-staedten-sorgen](https://www.watson.de/nachhaltigkeit/gute%20nachricht/142815615-retter-der-innenstaedte-fluessigbaeume-sollen-fuer-saubere-luft-in-staedten-sorgen) * [https://de.futuroprossimo.it/2023/04/liquid-3-un-albero-liquido-per-produrre-ossigeno-nelle-nostre-citta/](https://de.futuroprossimo.it/2023/04/liquid-3-un-albero-liquido-per-produrre-ossigeno-nelle-nostre-citta/) * [https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/mobilitaet-privater-haushalte#-hoher-motorisierungsgrad](https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/mobilitaet-privater-haushalte#-hoher-motorisierungsgrad)"

Cookie-Richtlinie