Demeter e.V.

Oktober 2022

Demeter ist die bekannteste Bio-Marke Deutschlands und das nicht ohne Grund: Konsequente Bio-Richtlinien über EU-Standards hinaus sind ihr Markenzeichen. Doch welche Menschen und Gedanken stecken eigentlich hinter dem Verein?

Bio-Verein seit 1927

Als Rudolf Steiner im Juni 1924 damit begann, insgesamt acht Vorträge über seine Idee einer “biologisch-dynamischen Landwirtschaft” zu halten, traf er genau den Zeitgeist. Denn obwohl man im Zuge der industriellen Revolution die Effizienz der Landwirtschaft steigern konnte, so war doch gleichzeitig auch die Bodenqualität merklich gesunken. Und Steiner lieferte eine Lösung.

Rudolf Steiner circa 1905.

Die heutige Fassung des Vereins - öffentlich bekannt, multinational, Wirtschaftsakteur - war damals noch lange nicht in Sicht. Einige Kernelemente sind aber geblieben: Etwa die Anthroposophie als philosophisch-esoterische Grundlage, ein gewisser Romantikfaktor und strengste Standards für teilhabende Landwirt:innen.

Konsequente Bio-Richtlinien

Die wohl bekannteste Eigenschaft des Vereins sind die außergewöhnlich strikten Regeln für all jene, die ihre Waren unter dem Demeter-Label verkaufen wollen. Im Gegensatz etwa zur EU-Öko-Verordnung hat der Verein die Freiheit, keine politischen Kompromissentscheidungen treffen zu müssen und nicht von Lobbyisten bedrängt zu werden.

So lassen sich folgende, teils sehr deutliche, Unterschiede erklären (Auswahl):

Umstellung zum zertifizierten Betrieb

EU: Teilumstellung möglich. Ökologische und konventionelle Bewirtschaftung auf einem Betrieb möglich.

Demeter: Gesamtbetriebsumstellung zur biologisch-dynamischen Wirtschaft. Tierhaltung ist obligatorisch für Landwirt:innen. Ein Einführkurs muss besucht werden.

Zugelassene konven­tionelle Futter­mittel

EU: Maximal 5% konventionelle Futtermittel dürfen für Schweinen und Geflügel untergemischt werden.

Demeter: Allein Biofutter ist erlaubt (für alle Tierarten).

Pflanzenschutz

EU: Synthetische Pyrethroide, Spinosad und hydrolisiertes Eiweiß dürfen eingesetzt werden.

Demeter: Nur natürliche Pyrethroide. Kein Spinosad, kein hydrolisiertes Eiweiß erlaubt. 10% Biodiversität auf allen Betrieben.

Allein aus diesem Auszug ergibt sich ein klares Bild: Demeter meint es ernst mit der Mission, mit Tier und Boden unter besseren Bedingungen zu wirtschaften und ist dafür bereit, einen Großteil der Landwirte nicht zu inkludieren.

Im Gegensatz zu Demeter sind die EU-Öko-Richtlinien locker.

Biodynamische Landwirtschaft

In der oben aufgeführten Liste der Richtlinien findet sich ein Punkt, den man schnell einmal übersehen oder nicht richtig verstehen kann: Nämlich die

"Gesamtbetriebsumstellung zur biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise."

Das klingt zunächst einmal sehr gut, doch worum geht es dabei genau?

Entsprungen ist dieses Wirtschaftsprinzip aus der sogenannten Anthroposophie, der von Rudolf Steiner begründeten Weltanschauung. Steiner, belesen in Texten des Christentums und der Philosophie, hatte sich zunächst der sogenannten “Theosophie” angeschlossen, lehnte aber später deren Jesus-kritische Züge ab und gründete daraufhin mit seinen Anhängern eine eigene Schule.

Diese beschäftigt sich neben allgemeinen “kosmologischen, mythologischen, religiös-sozialen Fragestellungen” auch mit praktischen Fragen: Kunstförderung, (Heil-)Pädagogik, Gesellschaft und eben auch “biologisch-dynamische” Landwirtschaft.

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Diese Wirtschaftsform umfasst verschiedene Richtlinien und Angaben. Dazu gehört:

  • Betriebe sollen nach größtmöglicher Autarkie und Individualität streben.
  • Boden, Tiere, Pflanzen und Menschen sind als Einheit und im Gleichgewicht zu verstehen.
  • Zur Erhaltung des Gleichgewichts müssen bestimmte Präparate eingesetzt werden.

Die Wirksamkeit der Präparate wie auch allgemein die Wissenschaftlichkeit des Konzepts werden in akademischen Kreisen weitgehend bestritten. Diejenigen Studien, die den Präparaten positive Eigenschaften nachweisen, wurden größtenteils von Demeter selbst finanziert und stehen damit unter dem Verdacht, nicht wissenschaftlich korrekt zu arbeiten.

Aber eigentlich gibt es schon bei der Herleitung der Anthroposophie und damit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft Probleme: Einige Elemente, insbesondere jene mit Bezug zu kosmischen Wirkweisen, wurden nämlich hellseherisch von Steiner begründet.

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Die berühmten Präparate - bekannt ist etwa das mit Mist gefüllte Kuhhorn - seien “auf energetischer Ebene angesiedelt” und würden den Boden “verlebendigen", so Demeter. In ihrem eigenen Online-Magazin schreibt der Verein, dass die Präparatabläufe “von manchen als geradezu mystisch bezeichnet werden”.

Wenn Aussagen wie diese, die Praktiken und der historische Hintergrund zumindest nicht schlecht für die Lebensmittel sind, so machen sie die Philosophie Demeters aber doch zumindest fragwürdig.

Demeter - zwischen Qualität und Esoterik

Wer Demeter-Produkte kauft, kann sich relativ sicher sein, dass dahinter tierfreundliche, umweltbewusste (Land-)Wirtschaft steht: Keine Demeter-Landwirt:in kommt am Verbot für konventionelles Tierfutter vorbei. Doch klar ist auch, dass man mit einem gekauften Demeter-Produkt eine für manche zweifelhafte Weltsicht unterstützt, die Kosmologie und mystische Energien in der Landwirtschaft deklariert.

Ob wir das nun unterschreiben oder nicht, eins bleibt klar: Demeter setzt bis heute ein Zeichen für nachhaltigen Umgang mit Land und Tier und ist in diesem Punkt sicher ein Beispiel, dem viele folgen könnten.

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