Von Fast Fashion zu Fair Fashion - ein Trend der sich nachhaltig lohnt!

Was ist Fast Fashion?

Viel und ständig neue Auswahl zu günstigen Preisen - das garantieren Anbieter von Fast Fashion, also “schneller Mode”. Und sind wir mal ehrlich, fast jeder schlägt doch gerne zu, wenn es ein richtig gutes Angebot im Sale gibt - egal ob wir gerade ein neues Kleidungsstück brauchen oder nicht. Doch dieser Trend ist auf lange Sicht schädlich für uns selbst und unsere Umwelt - deshalb lohnt es sich, ein wenig genauer zu überprüfen, was wir uns in den Einkaufskorb legen.

Fast Fashion ist ein Geschäftsmodell der Bekleidungsindustrie, bei dem Kollektionen trend- und vor allem gewinnorientiert produziert werden. Bekannte Retailer (Einzelhändler) bieten zwischen 12-50 neue Kollektionen pro Jahr an - in derselben Zeitspanne erwirbt eine Person in Deutschland im Schnitt 60 Kleidungsstücke. Derartig kurzlebige Mode ist darauf ausgelegt, schnell ersetzt zu werden - Restbestände werden zum kleinen Preis verscherbelt oder weggeworfen. Das erklärt auch, warum es in manchen Läden eigentlich zu jeder Jahreszeit eine Menge Artikel im Angebot gibt.

Auf günstige Preise möchte man ungern verzichten und nicht jeder kann sich teure, ausschließlich in Deutschland gefertigte Kleidung leisten. Die Modegeschäfte machen Werbung mit ständig neuen "Must-haves" und Social Media suggeriert uns ebenfalls, ständig neue Kleidung zu brauchen. Doch worüber wir Kund:innen uns zunächst freuen, ist eigentlich gar kein Anlass zum jubeln - die Kleidung kann nur so billig für uns sein, weil sie noch viel günstiger produziert wird.

Wie die Kleidung produziert wird

Die Anziehsachen werden meist im Ausland, unter schlechten Arbeitsbedingungen und mit minderwertigen Materialien hergestellt, um die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten. Also Folge dessen halten die Kleidungsstücke meist nicht sonderlich lang, färben ab oder fühlen sich schon nach einigen Waschgängen nicht mehr gut auf der Haut an. Weil sie so günstig sind, sind wir eher dazu geneigt, ein hübsches Kleidungsstück mitzunehmen, auch wenn wir es eigentlich gar nicht brauchen. Wenn man es doch nicht trägt, wäre es ja kein großer finanzieller Verlust, so reden wir uns das ein.

Nur haben sich in den letzten Jahren aufgrund der schnellen Modetrends tonnenweise Kleidungsabfälle angehäuft, für die es langsam keinen Platz mehr gibt. Sogar der Second-Hand Markt ist langsam übersättigt, und so liegen die Altkleider einfach in alten Fabriken herum oder werden sogar in der Natur abgeladen, wie etwa in der südamerikanischen Atacamawüste.

Wie genau sich Fast Fashion sozial und ökologisch noch auf unsere Umwelt auswirkt, könnt ihr im Glossarartikel Fast Fashion nachschlagen.

Doch wie sollen wir nun mit Mode umgehen und welches Shopping-Verhalten wäre wirklich nachhaltig für uns, unsere Mitmenschen und die Umwelt?

Berge von alten Kleidungsstücken in einer stillgelegten Fabrik.
Hunderte zurückgelassene Kleidungsstücken, die in einer stillgelegten Fabrik in Cambodia liegen.

Das Projekt “Clothing the Loop” will Aufmerksamkeit für den Wert von Kleidung generieren und hat die alten Stoffe in ein Kunstobjekt verwandelt.

Die Marken erkennen

Fast Fashion wird von vielen und vor allem vielen uns bekannten Einzelhändlern praktiziert. Man kann kaum eine Fußgängerzone betreten, ohne dass man über die preisgünstige Verlockung folgender Retailer stolpert:

  • Asos
  • H&M
  • Primark
  • GAP
  • Zara
  • Bershka
  • Missguided
  • SHEIN
  • C&A
  • Esprit
  • Forever 21
  • Stradivarius
  • GUESS
  • Mango
  • New Yorker
  • Topshop
  • s.Oliver
  • Victoria’s Secret
  • Urban Outfitters
  • Massimo Dutti
  • Reserved

Einige der Marken verwundern euch vielleicht, da man sie mit höheren Preisen oder ökologischen Kampagnen in Verbindung bringt. Dieses Modell, sich durch tolle PR (Public Relations), neue Farbgebung oder gezielt ins Leben gerufene ökologische Projekte als umweltbewusstes Unternehmen darzustellen, heißt Greenwashing und erlebt seit einigen Jahren einen regelrechten Boom. Retailer bieten vermeintliche Lösungen des verschwenderischen Handeln mit Kleidung an, wie die Übernahme der Altkleiderentsorgung für Kund:innen gegen Gutscheine oder der Schaffung von Projekten (z.B. H&M Conscious), um wenigstens teilweise nachhaltig zu agieren. Meist handelt es sich dabei allerdings um Greenwashing und das Gesamtergebnis steht nicht im Verhältnis zum enormen CO2-Fußabdruck, den das Unternehmen eigentlich hinterlässt.

Durch solche Veränderungen sollen andere, weniger nachhaltige Tatsachen in Bezug auf eine Firma in den Hintergrund gerückt werden. Das Unternehmen verspricht sich davon ein besseres Standing in der Gesellschaft oder sogar die Identifizierung einer neuen Zielgruppe, aus der Profit geschlagen werden kann. Also bleibt wachsam und fallt nicht auf Greenwashing von Unternehmen rein!

Junge Frau mit Shopping Bag
Eine junge Frau trägt eine große Tasche mit dem Aufdruck "Shopping Bag" über der Schulter. Darin befinden sich preisreduzierte Modeartikel.

Fast Fashion wirbt mit günstigen Preisen und einer nie enden wollenden Auswahl an Kleidungsstücken. Dagegen stehen die umweltschädliche Produktion und Entsorgung derselben, die unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Herstellung, die schlechte Stoffqualität der Kleidung und zuletzt die Förderung von verschwenderischem Verhalten durch die Retailer selbst.

Große Modegeschäfte verfolgen dieses Geschäftsmodell bereits lange und nehmen einen Großteil des Marktes ein. Nachhaltige Unternehmen können sich nicht ohne weiteres durchsetzen, müssen andernorts verkaufen oder ihre Preise erhöhen, um im Wettbewerb standhalten zu können. Für uns als Konsument:innen ist es schwierig, zwischen all den Angeboten unterscheiden zu können und herauszufinden, was man nun kaufen sollte und was nicht.

Lieber Fair- & Slow Fashion!

Es ist nicht schlimm, keinen zu 100% nachhaltig produzierten Kleiderschrankinhalt zu besitzen. Jetzt kommt es aber auch darauf an, wie man mit dieser Kleidung umgeht! Die Kleidungsstücke, für die man sich entschieden hat, sollten auch so lange wie möglich in Benutzung bleiben, um so den immer größer werdenden Haufen von Altkleider-Müll in unserer Umwelt so gering wie möglich zu halten. Fair Fashion und Slow Fashion haben sich als regelrechte Trendbewegung etabliert und stellen als entschleunigende Geschäftsmodelle das genaue Gegenteil von Fast Fashion dar.

Hier stehen eine nachhaltige Auswahl von Rohstoffen, faire Arbeitsbedingungen und ein umweltfreundlicher Herstellungs- und Vertriebsprozess im Fokus. Die Kleidung soll ethisch korrekt produziert werden und so lange wie möglich halten. Weil sich Modetrends in unserer Zeit extrem schnell verändern, zeichnet sich Slow Fashion insbesondere durch ein zeitloses Design aus, das für viele Anlässe passt und sich außerdem gut kombinieren lässt.

Weil nur vollwertige Materialien verwendet werden, halten solche Kleidungsstücke länger als die billig produzierten Alternativen. So bleiben die Teile länger schön und können auch nach häufigem Gebrauch noch als Second-Hand-Ware weiterverkauft oder an Freunde verschenkt werden. Auch Online kann man gebrauchte Kleidung gut ersteigern oder tauschen, zum Beispiel auf Plattformen wie Ebay Kleinanzeigen oder Vinted (ehem. Kleiderkreisel). Oft findet man hier hochwertige Kleidung und auch Designerstücke, die wirklich bezahlbar sind. Wer nähen kann, hat sogar die Möglichkeit, alte Stoffe selbst zu verwerten. Dadurch landet der Stoff ungewollter oder kaputter Klamotten nicht etwa in der Wüste, sondern bekommt als angepasstes Kleidungsstück oder auch als Putzlappen noch ein neues Leben geschenkt, bevor man ihn endgültig entsorgt.

Worauf können wir achten?

Das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat das unabhängig geprüfte Siegel “Grüner Knopf” ins Leben gerufen, mit dem nachhaltige Mode ausgezeichnet und erkannt werden soll. Anhand von Siegeln kann man auch erkennen, ob giftige Chemikalien bei der Produktion verwendet wurden. Weitere Gütesiegel sind zum Beispiel: "IVN zertifiziert", "Fairtrade", "Global Organic Textile Standard" (GOTS), "Blauer Engel" und "Eco Cert".

Um Fast Fashion wirklich zu überwinden, brauchen wir allerdings ein grundsätzliches Umdenken bei den Herstellern sowie den Konsument:innen. Ideal wäre es, wenn Kleidung hochwertig produziert, widerstandsfähig, reparierbar und verwertbar wäre. Einen großen Teil können auch wir Konsument:innen beitragen, indem wir von nun an bewusster mit dem Inhalt unserer Kleiderschränke umgehen.

Nachhaltige Mode gilt als zeitlos.

3 Fragen, die man sich vor dem Kauf von Fast Fashion stellen sollte:

  • “Ist es okay für mich, ein Fast Fashion Kleidungsstück zu kaufen?”.
    Mache dir selbst bewusst, welchen Weg die Kleidung bereits hinter sich hat, wer daran gearbeitet hat und wie es hergestellt wurde und setze das in Verhältnis zu dem Weg, den die Klamotte bei dir noch vor sich hat. Wirst du sie gerne und oft tragen? Oder hängt es für ein bis zwei Anlässe im Schrank und wird beim nächsten Ausmisten wieder entsorgt?
  • “Brauche ich das wirklich?”
    Überlege dir, ob du etwas Vergleichbares nicht schon im Schrank hast und wenn ja, was davon du häufiger tragen wirst.
  • “Würde ich es auch zum Normalpreis noch toll genug finden?”
    Frage dich, ob dir das Kleidungsstück auch den vollen Preis wert wäre, du es also wirklich möchtest. Oftmals verwechseln wir, ob uns ein Teil oder eher der Preis gefällt. Hierbei soll es nicht um dein Budget gehen, sondern darum, welchen Wert du selbst dem Kleidungsstück zuschreibst und wie du es behandeln wirst.

Nachhaltigkeit liegt im Trend

Die Vorteile der nachhaltigen Mode überwiegen klar: Sie ist langlebig und umweltbewusst, mit hoher Qualität und fair produziert. Bei dieser Bewegung achtet man darauf, nur zu kaufen, was wirklich sinnvoll ist. Um Müll zu reduzieren, wird auch hier die Kreislaufwirtschaft gefördert. Viele Unternehmen schreiben sich den nachhaltigen Handel bereits auf die Flagge und verwenden viel Zeit und Mühe auf "Upcycling", also das Aufwerten weniger wertvoller Stoffe. Dabei können alte Stoffe und andere Materialien wieder zu moderner Kleidung und einzigartigen Accessoires verarbeitet werden.

Um den Wandel vom verschwenderischen “Fast”, hin zum nachhaltigen zu “Slow” und “Fair” Fashion vollziehen zu können, müssen Produzent:innen sowie Konsument:innen gleichermaßen ihren Teil dazu beitragen. Also, setzt ein Zeichen und "vote with what you wear"!

Einzelnachweise & Weblinks