Bruttostromverbrauch - Neuer Rekordwert in der Energiewende

Januar 2023
Fotograf:in: Wolfgang Hasselmann, Copyright: Unsplash

Das Jahr 2022 verzeichnet den bislang höchsten Anteil von Ökostrom am deutschen Bruttostromverbrauch. Er ist gegenüber dem Vorjahresniveau um 5,6% gestiegen und betrug damit 2022 48,3%.

Was ist der Bruttostromverbrauch?

Der Bruttostromverbrauch ist definiert als die Gesamtmenge des in Deutschland erzeugten Stroms (gewonnen durch Sonne, Wind, Wasser oder Kohle, Öl und Erdgas etc.), plus Importe, minus Exporte - er bezeichnet also den kompletten Stromverbrauch innerhalb Deutschlands, ungeachtet des Ursprungs des Stroms. Er beinhaltet auch die Verluste, die sich mitunter beim Transport ereignen.

Die guten oder die schlechten Neuigkeiten zuerst?

Man sollte sich von diesen hohen Zahlen nicht in die Irre führen lassen - die Realisation der Klimaziele für 2030 ist noch weit entfernt - um zukünftig auf fossile Energieträger verzichten zu können, soll der Anteil des klimafreundlichen Stroms am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 80% steigen. Möchte man diesem ambitionierten Bestreben nachkommen, verlangt dies nach einem dreifach schnelleren Ausbau der Wind- und Solarenergie.

Um sich dem großen Ganzen klar zu werden, sollte man stets ein Auge auf den Endenergieverbrauch haben.

Endenergieverbrauch

Endenergie ist definiert als diejenige Energie, die aus Primärenergie stammt und dann in Energieträger umgewandelt wurde, von denen der Konsument unmittelbar Gebrauch machen kann. Typische Energieträger sind Strom, Brennholz, Gas, Benzin & Diesel. Strom macht nur etwa ein Fünftel des Endenergieverbrauchs aus, ist gleichzeitig jedoch mitunter am einfachsten zu dekarbonisieren. 2021 konnten nur 19,2% des Endenergieverbrauchs von erneuerbaren Energien gedeckt werden, lediglich 0,1% mehr als im Jahr zuvor. Bis 2030 sollen es allerdings 30% sein.

Diese Zahlen mögen entmutigend wirken, man muss jedoch berücksichtigen, dass sich erneuerbare Energien nicht selbst tragen können. Mitunter verantwortlich dafür ist, dass das Stromnetz nicht für diese Art dezentraler Energiegewinnung konstruiert wurde. Es mangelt zudem an Energiespeichern. Wäre die Stromversorgung landesweit allein auf die gegenwärtigen Speicherkapazitäten angewiesen, wären diese bereits nach einer halben Stunde ausgeschöpft. Die Energieerzeugung durch Wind- oder Sonne ist im Moment noch auf kontrollierbaren, konventionellen Strom (aus fossilen Brennstoffen) angewiesen, der Dunkelflauten ausgleicht - anders kann bislang keine konstante Versorgung garantiert werden.

Unterschiedliche Entwicklungen des Strom-, Wärme- und Verkehrssektors

Die Verbrauchsektoren weisen unterschiedliche Entwicklungen der Dekarbonisierung auf. Der Anteil des Stroms, der durch erneuerbare Energien erzeugt wurde, verdoppelte sich innerhalb des letzten Jahrzehnts, wohingegen die Anteile im Wärme- und Verkehrssektor nur langsam stiegen. Strom aus erneuerbaren Energieträgern trägt gegenwärtig (Stand 2021) 50% zu den 19,2% bei, der erneuerbare Wärmesektor 43% und der biogene Kraftstoffe im Verkehrssektor nur etwa 7%.

20% der direkten CO2 Emissionen sind dem Verkehr verschuldet.

Betrachtet man den Verkehrssektor genauer, so erkennt man, dass Biodiesel mit Abstand die größte Rolle spielt, Bioethanol und Pflanzenöl hingegen kommen vergleichsweise wenig zum Tragen.

Strom aus erneuerbaren Energien macht gerade mal 1% des Gesamtenergieverbrauches im Verkehrssektor aus - noch dazu kommt dieser zu knapp 90% allein beim Schienenverkehr zum Einsatz.

Fossile Energieträger spielen weiterhin eine entscheidende Rolle

Trotz des beachtlichen Anstiegs bei den erneuerbaren Energien ist die Stromgewinnung durch Braunkohle 2022 um 5,4% und die durch Steinkohle um 21,4% gestiegen. Aller Voraussicht nach wird sich das in den kommenden Jahren nur bedingt ändern, da der Atomausstieg allein durch erneuerbare Energien nicht getragen werden kann, und somit durch fossile Kraftwerke kompensiert werden muss. Trotz alledem bleibt es ein Bestreben der Bundesregierung, bis 2038 aus der Kohleverstromung auszusteigen.

Ein Ausblick in die Zukunft

Während Deutschland seine Möglichkeiten, die Kraft des Wassers für die Energiegewinnung zu nutzen, praktisch ausgeschöpft hat, könnte man sich global betrachtet das enorme Potenzial der Sonnenenergie weitaus effektiver zunutze machen und die Solaranlagen in strategisch günstigen Gebieten wie in den Wendekreiswüsten ausbauen. Dasselbe gilt für Windenergie.

Eine Option, die unstete Energie von Sonne und Wind zu speichern, ist die Umwandlung in Wasserstoff. Die überschüssige Energie kann bei der Herstellung von Wasserstoff aus Gas (Pyrolyse) oder von Wasserstoff aus Wasser (Elektrolyse) eingesetzt werden. Existiert die Energie in Form von Wasserstoff, kann sie auf unbestimmte Zeit gespeichert und auch transportiert werden. Um die Energie wieder freizusetzen, durchläuft der Wasserstoff die umgekehrte Elektrolyse.

Wasserstoff kann zudem eine Lösung für die Dekarbonisierung des Verkehrs darstellen, indem er dort eingesetzt wird, wo Elektroantriebe nicht sinnvoll sind - beispielsweise bei Flugzeugen. In Kombination mit CO2 kann er als umweltfreundlicher Kraftstoff dienen.

Besonders vor Augen halten sollten wir uns auch die Effekte, die Energieeinsparung bzw. eine Steigerung der Energieeffizienz auf die Senkung des CO2-Ausstoßes haben können. Besonders, da der Umstieg auf erneuerbare Energien noch weit entfernt zu sein scheint.

Erneuerbare Energien in Zahlen | Umweltbundesamt, abgerufen am 13.01.2023

​​Bruttostromverbrauch, abgerufen am 13.01.2023

Mehr Energie aus erneuerbaren Quellen | Bundesregierung, abgerufen am 13.01.2023

Stromerzeugung: Mehr Erneuerbare, aber auch mehr Kohle | tagesschau.de, abgerufen am 13.01.2023

Bundesnetzagentur veröffentlicht Daten zum Strommarkt 2022, abgerufen am 13.01.2023

Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren | Umweltbundesamt, abgerufen am 13.01.2023

Streckbetrieb von Isar II: Die wichtigsten Fragen und Antworten | Fraktion Die Grünen – rosa liste im Münchner Stadtrat, abgerufen am 13.01.2023

Endenergie in Deutschland: Definition, Zahlen & Fakten, abgerufen am 13.01.2023

Best of BTO 2022: Deutschlands De­industri­alisierungs­strategie – Think beyond the obvious, abgerufen am 13.01.2023

Energieversorgung: Was mit überschüssigem Strom passiert | tagesschau.de, abgerufen am 14.01.2023

Verlängerung der Atomkraftwerke ersetzt nur ein Prozent des Erdgasbedarfs - FOCUS online, abgerufen am 14.01.2023

Energie- und Wasserwirtschaft Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch steigt 2022 auf Rekordwert, abgerufen am 14.01.2023

Viel falscher Wind um den Strom | Wellness Blog, abgerufen am 14.01.2023

Ist die Speicherung von Wasserstoff die Zukunft der erneuerbaren Energie? – Digital for Good | RESET.ORG., abgerufen am 14.01.2023

Wasserstoff – Energieträger der Zukunft | Bundesregierung. , abgerufen am 14.01.2023

Endenergieverbrauch nach Strom, Wärme und Verkehr, abgerufen am 19.01.2023

Verkehr und Umwelt – Worum geht es? | BMUV. , abgerufen am 19.01.2023

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