Bevor du kaufst: Die Wahrheit über Fast Fashion

29. Mai 2024
Copyright: Foto von Artem Beliaikin auf Unsplash

Fast Fashion verspricht trendige Kleidung zum kleinen Preis – und das in immer kürzeren Zyklen. Doch hinter der glänzenden Fassade der Modeindustrie verbergen sich Ausbeutung, Umweltzerstörung und ein weltweites Müllproblem. In diesem Artikel erfährst du, warum der Preis für billige Kleidung viel höher ist, als es das Preisschild vermuten lässt – und was du stattdessen tun kannst.

Was bedeutet Fast Fashion eigentlich?

Fast Fashion beschreibt ein Geschäftsmodell der Modeindustrie, bei dem Kleidung billig, schnell und in großen Mengen produziert wird. Neue Kollektionen erscheinen nicht mehr nur saisonal, sondern im Wochentakt. Möglich wird das durch Billigproduktion in Niedriglohnländern und minderwertige Materialien.

Die Folge: Mode wird zur Wegwerfware. Wer günstige Kleidung im Überfluss kauft, sortiert auch schnell wieder aus – oft, ohne das Kleidungsstück mehr als ein paar Mal getragen zu haben.

Wer zahlt den Preis? Die sozialen Folgen

Hinter jedem T-Shirt und jeder Jeans steht ein Mensch – oft unter prekären Bedingungen. Die Mehrheit der Fast Fashion wird in asiatischen Ländern gefertigt, wo Arbeiter*innen für Hungerlöhne bis zu 14 Stunden täglich in schlecht belüfteten Fabriken schuften. Gewerkschaftlicher Schutz? Fehlanzeige.

Vor allem junge Frauen sind betroffen. Sie arbeiten in unsicheren Verhältnissen, ohne Absicherung, mit hohem Druck und teils unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Marken werben währenddessen mit Nachhaltigkeit – und betreiben gleichzeitig Greenwashing, indem sie vereinzelte „grüne“ Kollektionen hervorheben, ohne ihr Gesamtkonzept zu ändern.

Näher:innen sitzen dicht an dicht in einer grell ausgeleuchteten Textilfabrik.

Der Umwelt zuliebe: Ökologische Schäden

Fast Fashion ist ein Klimakiller. Die Modebranche verursacht laut UNEP jedes Jahr rund 850 Millionen Tonnen CO₂ – mehr als die gesamte internationale Luftfahrt und Schifffahrt zusammen.

Kernprobleme der Produktion:

  • Für ein Kilo Baumwolle werden bis zu 20.000 Liter Wasser verbraucht.
  • Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln belastet Böden und Gewässer.
  • Synthetische Fasern wie Polyester bestehen aus Erdöl und sind nicht biologisch abbaubar.
  • Beim Waschen lösen sich Mikroplastikfasern, die in das Grundwasser, unsere Meere und die Nahrungsketten gelangen.

Dazu kommt ein immenser Energiebedarf bei der Produktion – oft gedeckt durch Kohlekraftwerke. In vielen Fabriken werden zudem über 70 giftige Chemikalien eingesetzt, von denen Rückstände auf der Kleidung bleiben können.

Von Altkleidern zu Müllbergen

Was passiert, wenn die Kleidungsstücke ausgedient haben? Ein Großteil wird entsorgt – und zwar nicht recycelt, sondern exportiert, verbrannt oder deponiert. Nur ein Bruchteil lässt sich wiederverwerten.

Beispiel Chile:
In der Atacama-Wüste landen jährlich bis zu 40.000 Tonnen ausrangierter Kleidung – größtenteils aus Europa, Asien und Nordamerika. Vieles stammt ursprünglich aus Altkleidersammlungen und kann nicht mehr weiterverkauft werden. Der Markt für gebrauchte Kleidung ist längst überlastet.

Die Folgen:

  • Wachsende Müllhalden mitten in sensiblen Ökosystemen
  • Illegale Entsorgung in der Natur
  • Brände zur „Beseitigung“, die Luft und Böden kontaminieren

Fast Fashion ist längst nicht mehr nur ein Konsumproblem – sie ist eine globale Umweltkrise. Das Second Hand System ist durch Fast Fashion überlastet und funktioniert nicht mehr so gut wie früher.

Heute weiß keiner mehr so recht, wohin eigentlich mit der ganzen Kleidung. Die Exporteure, z.B. USA, China, Deutschland, UK, Frankreich, Südkorea, Japan, Belgien und die Niederlande, sehen den Müll scheinbar als außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches an.

Du fragst dich, weshalb Müll containerweise in anderen Länder verschifft wird? Mehr dazu erfährst du in unserem ArtikelVerheerender Müllexport nach Asien – gibt es ausreichende Lösungen?”.

Müll und ungewollte Kleidung werden einfach am Straßenrand oder hinter der nächsten Sanddüne abgeladen.

Was du konkret tun kannst

Veränderung beginnt im Kleiderschrank. Du musst nicht perfekt sein – aber jede Entscheidung zählt.

Fünf Tipps für bewussteren Modekonsum:

  • Kaufe weniger, aber hochwertiger.
  • Unterstütze faire Labels mit transparenten Lieferketten.
  • Nutze Second-Hand-Plattformen wie Vinted oder Kleidertauschbörsen.
  • Achte auf vertrauenswürdige Siegel wie GOTS, Grüner Knopf, Fairtrade.
  • Repariere Kleidung oder gib sie weiter, statt sie wegzuwerfen.

Extra-Tipp:
Stell dir vor dem nächsten Kauf drei Fragen:

1. Brauche ich das wirklich?

2. Würde ich es auch zum vollen Preis kaufen?

3. Passt es zu mir oder nur zum Trend?

Als eine Art Gegenbewegung zur schnellen Mode kann übrigens der "Slow Fashion"-Trend gesehen werden, der sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Hierbei stehen, ganz im Kontrast zu Fast Fashion, eine ganzheitlich nachhaltige Produktion und Langlebigkeit der Mode im Fokus.

Wie du sofort mit der Umstellung beginnen kannst, erfährst du in diesem Artikel: "Von Fast Fashion zu Fair Fashion – ein Trend der sich nachhaltig lohnt!"

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