Recycling von Autoscheiben – ein Projekt von Audi

Juni 2024
Copyright: AUDI AG

Ist eine Autoscheibe irreparabel beschädigt – aufgrund eines Steinschlages oder ähnlichen Ärgernisses – so wird sie in der Regel zum Verwerter gebracht. Sie wiederzuverwerten war bislang keine Option, da kein funktionierender Materialkreislauf für dieses Produkt etabliert war. Weder ist diese Vorgehensweise aber besonders ressourcenschonend noch anderweitig umweltfreundlich, da sowohl die Verwertung alter Scheiben, als auch die Produktion neuen Materials mit einem immensen Energie-, Kosten-, Ressourcen- und Zeitaufwand verbunden ist.
Doch dies soll sich nun ändern – seit 2022 bemüht sich das sogenannte Projekt “GlassLoop” von Audi und seinen Partnerunternehmen um die Integration von Autoglasscheiben in die Kreislaufwirtschaft.

Projekt GlassLoop

Im Januar 2022 starteten der deutsche Autohersteller Audi gemeinsam mit seinen Partnerunternehmen – Reiling Glas Recycling, Saint-Gobain Glass und Saint-Gobain Sekurit – ein einjähriges Pilotprojekt, welches als Teil von Audis Circular-Economy-Strategie einen geschlossenen Glaskreislauf für defekte Autoscheiben einführen wollte.
Ziel des Projektes waren Ressourcen- und Umweltschutz durch die Wiederverwertung kaputter und irreparabler Scheiben als Wertstoff für neue Serienproduktionen.
Audi möchte damit den Weg für eine grünere und nachhaltigere Automobilindustrie ebnen.

Fun Fact: Bereits 2017 leitete Audi die ersten Schritte für eine solche nachhaltige Entwicklung ein, indem sie Aluminium Verschnitte in einen bilanziell geschlossenen Kreislauf etablierten.

recyceltes Glas

Der Recycling und Wiederverwertungsprozess

Kann eine Autoscheibe nicht repariert werden, so wird sie zunächst von dem am Projekt beteiligten Autohändler-Unternehmen an die Volkswagen Original Teile Logistik GmbH & Co. KG überreicht.
Anschließend wird die Scheibe von Reiling Glas Recycling zerkleinert und Störreste wie Klebstoffe, Scheibeneinfassungen, Drähte und Metalle werden mithilfe moderner und hochwertiger Anlagen aussortiert. (Manche dieser Überreste, wie beispielsweise PVB-Layer, sollen übrigens ebenfalls ihren Weg in einen automobilen Kreislauf finden, um so viele Abfallprodukte wie möglich zu vermeiden).

Kaputte Scheiben auf dem Weg zu Reiling Glas Recycling.
Kaputte Scheiben auf dem Weg zu Reiling Glas Recycling.

Anschließend werden die Glasscherben an Saint-Gobain Glass übergeben, wo sie sortenrein getrennt und in Bunkern aufbewahrt werden, um ein möglichst reines und homogenes Glasrezyklat für das neue Basisglas zu ermöglichen.
Im nächsten Schritt mischt man die Grundbestandteile von Glas – Quarzsand, Soda und Kalk – mit dem gelagerten Rezyklat, um rechteckiges Flachglas mit ungefähren Maßen von 3x6 Metern zu produzieren.
Nach jetzigem Stand liegt der Anteil von wiederverwertetem Kunststoff in den hergestellten Scheiben bei etwa 30-50%.
Das daraus entstandene Flachglas soll im Übrigen mit den gleichen Qualitätsansprüchen wie vollkommen neu hergestelltes Glas mithalten können.

Das Glasrezyklat wird bei Saint-Gobain Glass eingeliefert.
Das Glasrezyklat wird bei Saint-Gobain Glass eingeliefert.

Im letzten Schritt werden die Flachglasscheiben an das Schwesterunternehmen von Saint-Gobain Glas – nämlich an Saint-Gobain Sekurit – weitergeleitet, welche daraus Automobilglas fertigen.

Wie geht es nun weiter?

Nach der geglückten einjährigen Testphase von Projekt GlasLoop, bei der sowohl die Qualität des neuen Glases, die besten Recyclingstrategien als auch dadurch entstehende Kosten abgeschätzt wurden, soll diese neue Art der Glasherstellung nun auch zum Einsatz kommen – nämlich in der neuen Audi Q4 e-tron Baureihe.
So nahm sich das Unternehmen 2022 auch vor, im Laufe der darauffolgenden drei Jahre bis zu 30.000 Tonnen an Scherben in der Produktion von Saint-Gobain zu neuen Scheiben zu verarbeiten.
Damit würde man nicht nur an Ressourcen wie Primärmaterial wie Quarzsand sparen, sondern auch an Wasser, Energie und einem sonst hohen Ausstoß an CO2.

Audi selbst sieht in dem geglückten Projekt einen vielversprechenden Fortschritt, der in Zukunft noch weitere Verbesserungen im Feld der Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit verspricht.

Desweiteren wurde Audi 2023 mit dem Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte in der Kategorie Recyclingkonzept ausgezeichnet. Ein verdienter Gewinn, wenn man bedenkt, dass Audi der bisher erste Premiumhersteller ist, der mit seinen Partnerunternehmen einen solchen Glaskreislauf in der Automobilindustrie aufgebaut hat.

Die fertigen und recycelten Frontscheiben für den Audi Q4 e-tron.
Die fertigen und recycelten Frontscheiben für den Audi Q4 e-tron.
  • https://www.audi-mediacenter.com/de/pressemitteilungen/pilotprojekt-gestartet-aus-defektem-autoglas-sollen-neue-scheiben-fuer-den-audi-q4-e-tron-werden-14618
  • https://www.audi.com/de/sustainability/environment-resources/circular-economy/closed-circuit-recycled-automobile-glass.html
  • https://www.reiling.de/article/pilotprojekt-neue-scheiben-fuer-audi-q4-e-tron-aus-defektem-autoglas
  • https://www.automobil-industrie.vogel.de/audi-recycling-glas-windschutzscheibe-30-prozent-a-a9de71e1ac6104b35c700b4f45bc0be4/
  • https://www.bvse.de/recycling-glas/nachrichten-glasrecycling/9839-pilotprojekt-glasrecycling-geht-in-die-serienproduktion.html
  • https://www.reiling.de/article/pilotprojekt-glasrecycling-geht-die-serienproduktion
Du findest den Artikel spannend? Dann teile ihn doch gerne!
Das könnte dich auch interessieren
Little Impacts - Mobile Game für nachhaltigen Konsum

Little Impacts - Mobile Game für nachhaltigen Konsum

Lerne mithilfe eines kleinen Handy-Games, wie man seinen Alltag nachhaltiger gestalten kann!

EU-Initiative gegen Müllflut – Reparieren statt Wegwerfen

EU-Initiative gegen Müllflut – Reparieren statt Wegwerfen

Wo befinden sich eigentlich die größten Mülldeponien der Welt? Und was kann das neue EU-Gesetz zum Recht auf Reparatur gegen diese Müllflut beisteuern?