Schluss mit Plastikmüll auf Festivals: Das nachhaltige KarTent

Die meisten Festivalbesucher:innen schlafen in herkömmlichen Zelten aus Plastik.
Die meisten Festivalbesucher:innen schlafen in herkömmlichen Zelten aus Plastik. - Fotograf:in: Krists Luhaers, Copyright: Unsplash - Krists Luhaers

Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, in einem Zelt aus Karton zu schlafen? Tatsächlich hat ein Start-Up-Unternehmen aus den Niederlanden eine nachhaltige Alternative des Zeltens zur Wirklichkeit gemacht: Das sogenannte KarTent wurde geboren, ein recycelbares Zelt aus 100% Karton und mit vielen weiteren Vorteilen. Um vor allem den Unmengen an Plastikmüll und Hinterlassenschaften von Festivalbesucher:innen entgegenzuwirken, soll diese Erfindung ein umweltfreundliches Zeichen setzen.

1 von 4 Personen lässt ihr Zelt am Ende des Festivals zurück

Feiern, tanzen, laute Musik und Spaß haben. Festivals jeglicher Art genießen vor allem bei der jungen Generation große Beliebtheit. Doch wer schon einmal auf einem Festival war, weiß auch, wie sehr das Gelände oft einem Schlachtfeld ähneln kann: Zwischen Schlamm und Dreck eine Verwüstung aus Müll, Bierdosen, leeren Flaschen oder kaputten Gaskochern. Ein großes Problem vieler Festivals ist der zurückgelassene Müll der Besucher. Bis zu 1,5 kg Müll produziert ein:e typische:r Festivalbesucher:in am Tag. Darunter finden sich auch eine Menge Zelte aus Plastik, bei denen die Besitzer entweder zu faul waren sie abzubauen oder die kaputten Schlafstätte nicht entsorgen wollten. Laut KarTent lässt 1 von 4 Personen ihr Zelt am Ende des Festivals zurück. Teilweise werden die Zelte vom Wind über das ganze Gelände geweht - ein Schwarm aus Plastik, der sich nach Ansichten der Gründer von KarTent vermeiden lässt.

Das KarTent: ein Steckbrief

Ein herkömmliches Zelt, das aus bis zu 30 verschiedenen Materialien bestehen kann, will KarTent durch eine Pappvariante ersetzen
  • Größe: 2,40 x 1,60 (für die Standardgröße). Mittlerweile gibt es das KarTent nicht nur in einer Größe sondern auch im „Mini-“ oder „XL-Format“.
  • Kapazität: Bei der Standardgröße haben bis zu 2 Personen Platz.
  • Material: 100 % Karton
  • Preis: 67 Euro
  • Einsatz: Festivals
  • Resistenz gegen Wettereinflüsse: Trotz Pappe ist das Zelt bis zu 3 Tage gewappnet für Regen. Das Material blockiert sogar das Sonnenlicht, wodurch es auch bei heißen Temperaturen am nächsten Morgen angenehm kühl und frisch im Zelt bleibt.
  • Individualität: Der Kreativität ist hier freien Lauf gelassen: Man kann das Zelt sogar mit einem gewünschten Design vom Unternehmen bedrucken lassen oder es selbst kreativ bemalen.
  • Umweltfaktor: Sehr gut! Bei der Herstellung wird nur halb so viel CO2 ausgestoßen wie bei der Produktion eines herkömmlichen Zeltes. Im Gegensatz zu anderen Zelten besteht das KarTent nämlich nur aus einem Material: 100% Karton, das recycelbar ist.

Vom Abschlussprojekt zum internationalen Start-Up

Ein Projekt, das zu einer revolutionären Idee wurde: Alles begann, als der Co-Founder und CEO von KarTent, Jan Portheine, für das Abschlussprojekt seines Architekturstudiums eine Strandhütte aus Karton fertigte. Schnell war die Idee des KarTents als revolutionäres Start-Up-Unternehmen geboren, das die Lebenszeit seiner Produkte von Anfang bis Ende durchdenken würde. Dafür hat sich Portheine fünf weitere Leute mit ins Boot geholt, die allesamt durch ihre Erfahrung und Kreativität das Unternehmen in verschiedenen Bereichen unterstützen.
Mittlerweile gibt es das KarTent ist in folgenden Ländern: Belgien, Niederlande, Deutschland, Neuseeland, Dänemark, Frankreich, Ungarn, Irland, Portugal, U.S.A, U.K., Norwegen, Schweiz, Finnland, Estland, Südafrika und Kroatien.

Eine bequemere Alternative?

KarTents befinden sich oft in der Prime Location des Festivals


Dem Unternehmen ist definitiv bewusst, dass es am besten wäre, wenn sich jeder ein Zelt kauft und es lange weiterverwenden würde. Doch wäre dies so, gäbe es das Unternehmen nicht. Zelte werden immer billiger, was es gleichzeitig attraktiver für Menschen macht, das Zelt auf Festivals einfach stehen zu lassen, anstatt sich die Mühe zu machen, es abzubauen. Vor allem, wenn sich der Kater von gestern bemerkbar macht. Zudem ist es laut Hersteller viel einfacher, ein Zelt aus Karton zu recyceln als ein gewöhnliches Zelt.

Das KarTent nicht nur umweltfreundlich, sondern auch unkompliziert, was es eben vorteilhaft für Festivals macht: Beim Planen des Festivals ist das Zelt schnell mit einem Klick online organisiert. Es kann auf der Seite von KarTent oder sogar gelegentlich auf der Website des Festivals/Veranstalters gekauft werden. Man muss somit kein Geschäft besuchen und ein gewöhnliches Zelt kaufen.

Das KarTent war auf dem Liquicity Fetsival in Niederlande vertreten

Ist das KarTent einmal bestellt, organisiert das Unternehmen einen Aufbau von Hand und vor Ort am Tag des Festivals. Man muss sich nur informieren, welche Festivals mit KarTent kooperieren, eine Übersicht dazu gibt es auf KarTent’s Webseite. Erwähnenswert sind hier vergangene Events wie das Liquicity Festival, das Solar Weekend Festival oder das Indian Summer Festival.
Eine Woche vor dem Event bekommt man eine E-Mail mit allen wichtigen Informationen. Ebenso erfährt man eine Zeltnummer, mit der man das eigene Zelt auf dem Platz finden kann. Einmal aufgebaut, kann man das Zelt auch an einen beliebigen anderen Ort verschieben, doch tatsächlich werden die KarTent’s meistens in der Prime Location aufgebaut, man hat also nicht weit zu gehen!
Dieser breite Umfang des Services erfolgt bis jetzt weitestgehend in den Niederlanden und Belgien - das Start-Up sieht jedoch vor, ihr Angebot auszuweiten und mit Partnern in mehreren Ländern kooperieren zu können. Also freut euch zukünftig auf nachhaltiges Zelten auch auf deutschen Festivals!

Ein Vorzeigebeispiel für eine Kreislaufwirtschaft

Das KarTent lässt sich sogar zu einem Mülleimer umbauen

Nach dem Festival holt das Unternehmen das Zelt wieder ab und verwendet große Teile des Materials wieder: Die Zelte lassen sich beispielsweise mit ein paar Handgriffen als Mülltonne aus Pappe umwandeln und können so auf Festivals als Abfallsammler dienen. Käufer:innen können das Zelt auch nach dem Festival selbst mitnehmen, jedoch ist der Transport sehr schwierig und müsste organisiert werden.
Das recycelte Material wird unter anderem für anderen Produktreihen von KarTent benutzt. Denn nicht nur Zelte bietet das Unternehmen an, sondern auch Einrichtungen wie Lampen, Schränke, Betten, Spielzeuge oder Wohnaccessoires. Natürlich aus 100% Karton.

Recycling ist nichts Neues. Doch KarTent setzt dieses Prinzip ziemlich effektiv um und bereichert das eigene Sortiment stets weiter mit kreativen Designs und Ideen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Karton-Schreibtisch oder einem Laptop-Sonnenschirm?